Nach 120 Minuten, im Innenraum hatte es bereits Konfetti geregnet, verabschiedete sich DJ Bobo samt Crew von den gut 8.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften König-Pilsener-Arena in Oberhausen. Der Tour-Auftakt war geglückt, die Fans schwer angetan und auch die Interessierten gingen mit einem guten Gefühl nach Hause. Die Erwartungen konnten vollends erfüllt werden. Der Schweizer lieferte die erwartete Show, brachte die Klassiker genauso gekonnt unter wie neues Material - auch wenn diese Songs nicht jedermanns Geschmack sind.
Donnerstag, 13. Mai 2010
DJ Bobo ("Fantasy Tour", 12.05.2010, König-Pilsener-Arena, Oberhausen)
Die Fans am Eingang stehen Schlange, auch im Innenbereich ist es voll. Ob nun an diversen Essensständen oder den gut bevölkerten Merchandising-Ständen mit T-Shirts, CDs, DVDs, Postern und Leuchtstäben - hier findet sich nahezu jede Altersschicht wieder. Von Damen und Herren jenseits der 50 in Kostüm und Anzug, Eltern mit jugendlichen Kindern über Teenager und Kindern unter 10 Jahren - der Schweizer deckt die gesamte Bandbreite ab. Familienunterhaltung pur!
19:30 Uhr - kaum zehn Minuten auf dem Sitzplatz in Reihe S, der vorletzten im komplett bestuhlten Innenraum der König-Pilsener-Arena in Oberhausen angekommen, geht auch schon die Saalbeleuchtung aus. "Tommy Fresh", bereits mit einem Werbebanner angekündigt, betritt die Bühne. Mit einigen Tänzern im Schlepptau versucht der auch in der Schweiz bislang noch nahezu unbekannte Künstler eine knappe halbe Stunde lang mit viel Bass (dagegen verblasst zeitweise sogar die 94er-Version von New Orders "True Faith"), Halbplayback und größtenteils schwachen Melodien das Publikum anzuheizen. Diverse Versuche die Leute zum Mitmachen zu animieren verlaufen meist im Sand.
Musikalisch als Mischung zwischen einem "Fancy der Neuzeit" und dem weitverbreiteten, unsäglichen Popschlager der Marke Michael Wendler anzusiedeln, ließ Freshs Auftritt nach dem absolut vorzeigbaren Opener "Zombie" (?) deutlich nach.
Fünf Minuten und ein paar Werbespots auf der Leinwand später - "Captain Hollywood", der sich in Oberhausen selbst als "Guy from the 90s" bezeichnet, betritt zu vertrauten Beats die Bühne. "More and More", das 1992 (im Gegensatz zu sämtlichen Singleveröffentlichung von Hauptact DJ Bobo) die Spitze der deutschen Charts erreichte, eröffnet das halbstündige Set. Neben "Captain Hollywood" Tony Dawson-Harrison und zwei Sängerinnen wird der US-Amerikaner von männlichen Tänzern unterstützt. Und dass der "Captain" absolut nicht zum alten Eisen gehört, beweist er durch schnelle, gut choreographierte Dancemoves. Eine Leistung, die denen von DJ Bobo mehr als nur ebenbürtig ist.
"Flying High" und "Only with you" als Outro sind weitere Highlights der Performance, die sich in Klasse, Qualität, Begeisterung und Anerkennung der Zuschauer niederschlägt.
Um halb neun fiel der Vorhang und enthüllte den großen, 6-armigen Buddha, der fast die gesamte Bühne für sich beanspruchte. Die Handflächen, in luftiger Höhe von bis zu 10 Metern angebracht, wurden in erster Linie von Musikern, teilweise aber auch DJ Bobo selbst sowie den Sängerinnen genutzt.
Die Setlist deckte die gesamte Karriere des Schweizers ab. Von den deutlich mehr im Euro-Dance anzusiedelnden Klassikern "Somebody dance with me", "Take Control" oder "Love is all around" über die entspannt klingenden "Everybody", "There is a party" und "It's my life" hin zu eher weniger bekannten Songs der letzten Alben.
Die Live-Band lässt den Sound gitarrenlastiger klingen - aber ohne die typischen und immer wieder gerne gehörten Dance-Elemente in den Hintergrund zu rücken. Der Zuschauer merkt auch deutlich die musikalische Entwicklung in der Musik von DJ Bobo. Liefen die Songs der ersten Alben meist nach dem Schema "Chorus - Rap - Chorus" ab, so tendiert der Sound der letzten Jahre immer mehr in Richtung Gesang - wenn auch mit Vocoder und elektronischer Verstärkung.
Bobo suchte regelmäßig den Kontakt zum Publikum, spricht die Fans an. Bei "There is a party" (oder war es "It's my life"?) lässt er die Musiker leiser spielen, singt auf dem leichten Reggae-Beat Refrains anderer Songs - und die ganze Halle stimmt bei "Oh Oh, I'm an alien, I'm a legal alien..." in Stings "Englishman in New York" ein! Auch "No Woman, No Cry" und "Staying Alive" müssen kurzfristig herhalten. Bei Bobos kleinem Ausflug in den Innenraum trauen sich immerhin einige Fans, auch durchs Mikrofon zu... singen. Grausam - aber lustig.
Und die Bühne? Groß angekündigt und auch in dem netten (und kostenlosen) "DJ Bobo Fanmagazin" ausführlich erläutert. Die 18,5 Tonnen benötigter Stahl für die Konstruktion klingen erstmal imposant - im Vergleich zur "Divison Bell Tour" von Pink Floyd vor 16 Jahren allerdings vernachlässigbar, da die Briten damals für die Bühne (in 3facher Ausführung) insgesamt über 600 Tonnen in Bewegung setzten. Optisch macht das Teil schon etwas her - bei 14 Meter Höhe, 18 Metern in der Breite und 15 Metern in der Tiefe nicht anders zu erwarten -auch die Strahler um den Hals und an einigen weiteren Punkten sowie die allerdings eher bescheiden eingesetzten Feuer sorgen für Effekte. Der Buddha selbst ist unbeweglich, lediglich die Augen öffnen sich nach einiger Zeit und geben den Blick auf Discokugeln frei. Mehr aber auch nicht. Hier hätte man sich das ein oder andere "Special" noch gewünscht. Die Bühne kann nicht so beeindrucken, wie es beispielsweise U2 auf der "360° Tour" vermochten.
Aber die Show? Die Show war gut - aber nicht herausragend. Als das Trommel-Ensemble auf die Bühne marschierte und sein Können demonstrierte, die Tänzer sich bewegten oder Bobo unermüdlich für Stimmung sorgte kam natürlich im weiten Rund Spaß auf. Ein Entertainer, der es versteht die Leute auch mit kleinen Gags bei Laune zu halten, egal ob groß oder klein. Der Kontakt zum Publikum ist hervorragend. Die Kostümierungen der Crew um Bobo sowie beim Schweizer selbst sind nicht überdreht oder zu kitschig. Hier beschreitet er genau den Mittelweg, der ihn für die erwachsene Generation als nicht zu albern, für jüngere Zuschauer aber immer noch interessant dastehen lässt.
Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass dieses "Erlebnis für die ganze Familie" für kleines Geld zu haben ist. Selbst teuerste Tickets sind regulär für 60 Euro erhältlich - für Kinder noch dazu mit deutlichen Nachlässen.
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