Dienstag, 2. März 2010
Chris Rea ("Still so far to go"-Tour, 02.03.2010, Philipshalle, Düsseldorf)
Chris Rea zurück auf deutschen Bühnen - gleich 13 Termine umfasst seine "Still so far to go"-Tour. Etwas überraschend kündigte der fast 60jährige knapp vier Jahre nach seiner Abschiedstournee eine erneute Rundreise durch die Hallen diverser Städte in Europa an.
Begleitend zur Tour erschien auch das gleichnamige Best-Of-Album mit Reas größten Hits. Entsprechend auch die Erwartungshaltung an die Setlist - nicht immer wurde der Engländer dieser gerecht. Zumindest nicht auf dem Papier.
Während "Josephine", "Julia", "Looking for the summer" oder aber "The Road to Hell" zielsicher ihren Weg in die Herzen des Publikums fanden, blieben "I can hear your heartbeat" oder auch "Fool (If you think it's over)" leider unberücksichtigt. Überhaupt war der gesamte, 110 minütige Auftritt nichts für Leute, welche die Singles von Rea aus dem Radio kennen und identische Versionen als großes Hitmedley erwarteten. Auf zahlreichen Studioalben und Samplern fast ausschließlich im Radio-Rock tauglichen Stil gehalten, ließ Rea in der Philipshalle seinen Live-Versionen viel Spielraum für Improvisationen, lange Gitarrensoli und viel Rock. Und das nicht zu leise. Kaum ein Song war nach 4-5 Minuten vorbei, immer wieder baute der Brite zusätzliche Schleifen ein, ließ seine E-Gitarre durch die Halle dröhnen.
Die geschätzten 4.500 Zuschauer in der ausnahmslos bestuhlten, jedoch bei Preisen bis über 70 € für die teuerste Kategorie nicht ausverkauften Philipshalle hatten vom ersten Song an ihre Freude an der Musik.
Als Besitzer lediglich einer 17 Songs umfassenden Best-Of-Zusammenstellung von Mitte der 90er Jahre gab es viel unbekanntes Material zu hören, bei dem sich aber doch mehr als nur einmal gute Songs hervortaten. Auch das Titelstück des Blues-Werkes "Stony Road" gab live ein besseres Bild ab als auf dem fast durchweg schwachen Studioalbum.
Aber Rea traf nicht immer ins Schwarze. Die Stimme, rau und markant wie eh und je, wich regelmäßig dem ausufernden Gitarrenspiel. Nahezu alle Songs zogen sich in die Länge - hier gelang es Rea nicht immer die Stücke auf dauerhaft hohem Niveau zu halten. Kurzzeitig fühlte man sich sogar an Mark Knopfler erinnert, als Rea die perfekte Verschmelzung von Emotionen und Musik gelang, ohne kitschig zu werden.
Alles in allem machte der Brite seine Sache sehr solide, reichte aber längt nicht an den deutlich erfolgreicheren Kollegen von den Dire Straits heran. Zu oft verliert sich Rea in einer Art Improvisations-Jam-Session, die nach dem dritten, vierten Song schon stellenweise zuviel des Guten ist. Sein eindrucksvolles Können an der Gitarre steht allerdings zu keinem Zeitpunkt in Frage.
Den Publikumskontakt, der Altersdurchschnitt der Fans wird sich bei Mitte bis Ende 40 eingependelt haben, hätte man sich durchaus inniger vorstellen können, zumal Rea sich hier vielleicht wirklich auf seiner letzten großen Tournee befindet. Kaum mal ein Wort in Richtung der tausenden von Zuschauern, dafür Winken und Lächeln. Eine kleine Spielerei, bei der Chris Rea die Gitarre wie ein Gewehr in Richtung Publikum richtet und Salven "abfeuert" war hier schon fast als Höhepunkt zu werten. Zwischenmenschlich kochte der Brite eher auf Sparflamme. Unsympathisch wirkte er aber trotzdem nicht.
Nach 90 Minuten verlassen Rea und Band die Bühne, um fast im gleichen Atemzug erneut für zwanzig Minuten Zugabe weiterzuspielen. Dann war aber endgültig Schluss - der verdiente Applaus der Fans war dem Mann aus Middlesbrough sicher.
Fazit: Bei einer "Greatest Hits"-Tournee die richtige Mischung aus beliebten Hits und eher unbekanntem Material zu finden ist sicherlich nicht einfach. An diesem Abend bot Chris Rea von beidem etwas. Von den großen Hits wurden "Fool" und "I can hear your hearbeat" vermisst, die Neuinterpretationen vieler Songs, das stellenweise abdriften in Richtung einer großen Jam-Session und die stetig deutlich präsente E-Gitarre sorgten für einen Ausbruch aus der erwarteten Songstruktur. Doch teils war es hier zuviel des Guten, ohne das Können und die Spielfreude von Rea in Frage zu stellen. Alles in allem ein gelungener Auftritt mit der ein oder anderen Schwäche.
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