Mittwoch, 24. Februar 2010

Marit Larsen (23.02.2010, Zeche Bochum)

Marit Larsen - mit "If a song could get me you" gelang der große Durchbruch auch außerhalb ihrer Heimat Norwegen. Und genau dieser Song weckte durch Dauerberieselung im Radio und - wieder einmal - einige Youtube-Clips weiterer Stücke meine Aufmerksamkeit. Nicht ausschließlich der große Hit, vielmehr auch das Songmaterial der bisher veröffentlichen beiden Alben der Vergangenheit machten Spaß - und Lust auf mehr davon. Zeche Bochum, durch mittlerweile drei Besuche in den vergangenen Jahren auch keine unbekannte Location, war als nächstgelegener Veranstaltungsort auserkoren. Hier besteht - trotz der ausnahmslos mit Stehplätzen ausgewiesenen Eintrittskarten - Dank einer großen Treppe (und weiteren kleinen Möglichkeiten) als Sitzgelegenheit immer Hoffnung, auch ohne stundenlanges Stehen Konzerte zu besuchen. 22,80 Euro Eintritt, dieses Mal entgegen meinem sonstigen Kaufverhalten im stationären Kartenvorverkauf und nicht bei Getgo.de erworben, liegen ungefähr auf einer Höhe mit Razorlight, Polarkreis 18 oder der preiswertesten Kategorie der kommenden Tour von DJ Bobo. Während auch hier mit etwas Bedenken in Richtung schlechtes Wetter, Kälte und Schneechaos geschielt wurde - natürlich führt der Weg nach Bochum für mich nur über die öffentlichen Verkehrsmittel - wurde die Woche vor dem Konzert zur etwas intensiveren Studie des bislang überschaubaren Gesamtwerks von Marit Larsen genutzt. Mit musikalischen Überraschungen war nicht zu rechnen, vielmehr sind Klavier und Gitarre - neben dem Gesang - die zentralen Stilmittel. Und doch schaffte es Larsen mit ihrer hervorragenden Band für Abwechslung zu sorgen. Ein Schneechaos gab es am Konzertabend nicht, eine Sperrung der Gleise im Bereich der Stadt Essen auf Grund von vermuteten Personen im Schienenbereich verzögerte die Abfahrt allerdings um eine gute halbe Stunde. Natürlich war der Anschlussbus am Bochumer Hauptbahnhof nicht mehr zu erreichen. So standen weitere 22 Minuten Warterei bei kalten Temperaturen auf dem Programm. Schließlich doch noch halbwegs pünktlich an der Zeche ankommend, überraschte eine lange Menschenschlange vor dem Eingang - lt. Kartenaufdruck hätte bereits vor mehr als 20 Minuten der Einlass beginnen sollen. Und wieder hieß es warten, irgendwo zwischen mit Wasser vollgelaufenen Schlaglöchern, umgeben von interessierten Konzertbesuchern fast aller Altersschichten. Die 25jährigen Jugendlichen waren genauso vertreten wie die 7jährige mit ihrem Vater. Trotz des fast 40 Minuten später erfolgten Einlasses stand pünktlich um 20 Uhr die völlig unbekannte Vorgruppe "Samuel Harfst" auf der Bühne - und machte ihre Aufgabe gut. Eine knappe halbe Stunde gab es von dem Trio überwiegend deutschsprachigen Rock/Pop mit Klavier, Schlagzeug und akustischer Gitarre. Mal seicht, dann zog das Tempo etwas an - die Mischung kam auch beim Publikum an. Musikalisch sicherlich keine Offenbarung, aber eine solide Vorgruppe, der man nicht uninteressiert zugehört hat. Marit Larsen vermittelte die ganze Zeit über eine gute Stimmung auf der Bühne, lachte und freut sich über die gut 500 erschienenden Fans, den Applaus. Auch der Kontakt zum Publikum ist da - fast zu jedem Song verliert die nette Norwegerin ein paar Worte. Manchmal zu der Entstehung oder Bedeutung der Texte und Musik, ein anderes Mal wiederum über die Verwechslung einiger Zuschauer in der Vergangenheit mit der isländischen Sängerin Emiliana Torrini (natürlich wurde Larsen damals nach dem "Jungle Drum" gefragt). Und alles immer mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht. Einfach jemand, dem man die Freude über die Begeisterung und den Applaus ihrer Fans für ihre Musik völlig authentisch abnimmt. Neben der 24jährigen Larsen stehen weitere Begleitmusiker auf der Bühne. Bass, Gitarre, Schlagzeug und Percussions/Backing Vocals sorgen für einen guten, abwechslungsreichen Klang in der Zeche Bochum.

Neben ein wenig Rock'n'Roll und auch mal etwas ruhigeren Tönen am Klavier bot die 26jährige Norwegerin in erster Linie gute Singer/Songwriter-Musik im Pop-Rock-Bereich. Stets gut gelaunt und freudig strahlend überzeugte Larsen mit ihren Songs, bevor sie nach gut 90 Minuten und der obligatorischen Zugabe "If a song could get me you" das Ende einläutete. Obwohl sich der Vorhang schon senkte, kam Marit Larsen erneut auf die Bühne - und spielte unter dem Beifall der Fans den Song ein weiteres Mal.

Larsen verfügt nicht über eine außergewöhnliche Stimme und ist auch im Bereich des Songwriting sicherlich nicht zu den Größten ihres Faches zu zählen. Jedoch gefiel die Norwegerin an diesem Abend nicht nur durch ihre freundliche, positive Ausstrahlung sondern auch durch gute Songs, denen sie sowohl Kraft als auch Gefühl verleihen konnte. Wer auf Ohrwurm-Rock der etwas schnelleren Sorte steht, der wird mit Amy MacDonald das bessere Los ziehen, denn Larsen beherrscht eher die ruhigeren Momente. Insgesamt ein gutes Konzert, welches mehr bot als man sich erhoffte. Larsen ist durchaus eine Empfehlung wert.

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