Ein Blindkauf, ohne ein Album der seit über 20 Jahren bestehenden Band um Sänger und Texter Sven Regener zu kennen, geschweige denn zu besitzen. Lediglich sporadische Interviews, kurze Reportagen und weniger als eine Handvoll Songs aus TV und Internet fanden sich auf der Habenseite wieder. Doch diese wenigen Eckpfeiler waren Anlass genug, erstmals die Jahrhunderthalle in Bochum zu besuchen. Das von einem Arbeitskollegen einige Wochen nach dem Kartenkauf geliehene, neue Studioalbum "Immer da wo Du bist bin ich nie" bestätigte meine Vorschusslorbeeren, der Kauf vom (völlig zu Recht) hochgeschätzten Werk "Weißes Papier" von 1993 übertraf die Erwartungen sogar noch. Wenn "Element of Crime" auch nicht ähnliche Vorfreude wie Madonna, Coldplay oder die Pet Shop Boys auslösten, so war durch die beiden oben genannten Tonträger mehr als nur Interesse geweckt - und der Entschluss nach Bochum zu fahren sollte sich als Treffer erweisen. Der Veranstaltungsort, nur knappe acht Minuten vom Bochumer Hauptbahnhof entfernt und bequem zu erreichen, ähnelte dem Kölner Palladium: Eine längliche Werkshalle mit einem geschätzten Fassungsvermögen von mehr als 3.000 Menschen - leider komplett auf Stehplätze ausgerichtet. Eine Tatsache, die auch hier eine nicht unerhebliche Belastung für Rücken, Nacken und das Stehvermögen werden sollte. Meinen anfänglichen Problemen die Halle zu finden endeten nach rund 20 Minuten doch noch erfolgreich am Ende einer vielleicht dreißig Personen umfassenden Schlange am Eingangsbereich. Punkt 18:30 Uhr öffneten sich die Eingangstüren, im gemächlichen Tempo ging es in den Vorraum mit Merchandising-Stand, einem von zwei Getränkeständen und der Abendkasse, an welcher der ein oder andere Interessent noch kurzfristig Tickets erwarb. Die ausgesprochen guten Möglichkeiten einen guten Platz in der Jahrhunderthalle zu erlangen, erlaubten auf Grund der bislang eher sporadisch vertretenden Besucher den schnellen Gang zum Brezelstand, doch auch ein großes Exemplar für 2,50 € konnte die lange Wartezeit von 90 Minunten bis zum Support-Act nur geringfügig angenehmer gestalten. Bereits kurze Zeit später fand ich mich knapp zwei Meter von der vordersten Absperrung, gut postiert, wieder. Fünf Meter von Sänger Sven Regener entfernt - das Lacoste-Krokodil auf dem Poloshirt war gut zu erkennen - erlebte ich also mein erstes, bestimmt aber nicht letztes, Konzert der in West-Berlin gegründeten Formation. "Element of Crime", allesamt Herren im mittleren Alter, zogen erwartungsgemäß keine kreischenden Teenager an. Das Fanpublikum deckte von 16-60 alle Altersschichten ab und pendelte sich bei einem Schnitt um die 40 Jahre ein. Während sich die nicht ausverkaufte Jahrhunderthalle im Laufe der 90 Minuten Wartezeit allmählich füllte, stand um acht Uhr Support-Act "Florian Horwarth" für eine halbe Stunde auf der Bühne - und fand nicht nur bei mir mit seiner Musik Anklang.
Sven Regener (Gesang, Gitarre, Trompete), Jakob Friderichs (Gitarre), David Young (Bass) und Richard Pappik betreten gegen 21 Uhr endlich die Bühne. Und - um es vorwegzunehmen - liefern über fast die gesamte Konzertdauer von 105 Minuten eine musikalisch perfekte Leistung ab.
Das Geschehen auf der Bühne war unspektakulär, lediglich mit Schweinwerfern wurde in kleinem Rahmen gearbeitet. Von einer Show konnte jedoch keine Rede sein. Der Auftritt entsprach so aber absolut den Erwartungen und der ganzen Art der Band, die musikalisch die erhoffte Qualität mühelos verwirklichen konnte.
Natürlich ist das stimmliche Spektrum von Regener, keine Offenbarung im klassischen Sinn, doch er legt Melancholie und Kraft in seinen Gesang und schafft es mühelos die Zuschauer zu begeistern.
Regener zeigt sich auf der Bühne zurückhaltend und unauffällig - so wie der Rest der Band auch. Trotz der eher wenigen Worte in Richtung Publikum kann er dies mit skurrilen Zwischenbemerkungen auch abseits der Musik für sich gewinnen.
Ob Regener nun immer wieder mal ganz unverhofft und zusammenhangslos die Arme hochreißt und "Romantik" ruft, nach dem Auftaktsong den Applaus mit "Das war ja schon mal ganz gut. Wir spielen noch einen" kommentiert oder einfach erzählt, dass er neulich mal mit der Straßenbahn von Wattenscheid nach Bochum gefahren ist ("Das war stark") - der Frontman sorgt für Unterhaltung.
Die Setlist überzeugte auf ganzer Linie, auch wenn zwei oder drei eher schwächere Tracks hier nicht verheimlicht werden sollen. Stücke aus dem aktuellen Album, wie unter anderem "Kaffee und Karin", "Deborah Müller" oder auch "Am Ende denk ich nur an dich" und "Einer kommt weiter" gefielen gut.
Natürlich durfte auch das erhoffte "Weißes Papier" nicht fehlen und wurde erwartungsgemäß zu einem der Highlights des Abends. "Delmenhorst" durfte selbstverständlich auch nicht fehlen - einer der ersten Titel, die ich von "Element of Crime" bewusst wahrgenommen habe.
"Element of Crime" konnten die meist etwas melancholische Stimmung der Songs hervorragend transportieren. Perfekter Klang und Stimme, dennoch zu keinem Zeitpunkt steril oder heruntergespielt hinterließen Regener & Co. einen bleibenden Eindruck.
Unter den zahlreichen mir unbekannten Titeln fand sich kaum eine schwächere Nummer. Allesamt im gewohnten Stil, aber nicht langweilig.
Nach einer handvoll Zugaben verabschiedeten sich "Element of Crime" endgültig von ihren Fans. 105 Minuten spielte die Band um den sympathischen Frontman Sven Regener neues Material vom Album "Immer wo du bist bin ich nie", begab sich in der Bandgeschichte aber ebenso fast 20 Jahre zurück und konnte auch mit englischsprachigen Songs, allen voran "Death Kills" vom Soundtrack "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" Eindruck machen.
Ein Abend, welcher die Erwartungen mit den bekannten Songs voll und ganz erfüllen konnte, im Bereich der Neuentdeckungen diese sogar noch übertraf. Nicht erst seit dem Konzert stehen sämtlichen Alben von "Element of Crime" auf meiner Wunschliste.
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