Die Wartezeit bis Konzertbeginn wurde durch ein wenig Small-Talk mit einem Ehepaar, gut 10 Jahre älter als ich, überbrückt.
Die "Broilers" als Vorgruppe waren ganz ok, wenn auch nicht wirklich nennenswert. Druckvoller Punkrock auf deutsch. Das ganze in ordentlicher Lautstärke, so das meine Oropax bereits früh zum Einsatz kamen. 30 Minuten spielte die Düsseldorfer Band, eine weitere halbe Stunde später betraten die Toten Hosen unter Beifallsstürmen die Bühne. Bereits von Anfang an waren die Fans voll da. Viel Applaus und Jubel, mitklatschen, Gesang und Gegröhle - alles dabei. Bereits nach kurzer Zeit wanderte zumindest ein Gehörschutz wieder in die Hosentasche, da der erwartete Geräuschpegel nun doch nicht erreicht wurde.
Im Innenraum spielten sich ein ums andere Mal eher fragwürdige Szenen ab, da viele Fans (gerade im vorderen Bereich des Innenraumes) wie wild umhersprangen und durch die Gegend liefen, das Areal auf einigen Metern von links nach rechts durchpflügten. Auf der einen Seite sicherlich eine Form, die Begeisterung für die Musik und die Atmosphäre zum Ausdruck zu bringen, andererseits auch alles andere als ungefährlich und für Unbeteiligte äußerst nervig und lästig. Auch die mehrfach im Innenraum gezündeten "Bengalischen Feuer" boten zwar einen schönen Anblick - aber sind innerhalb solcher Hallen eine viel zu gefährliche Angelegenheit. Ordner beaufsichtigten das Abbrennen und hielten die Leute von den kleinen Feuern fern. Selbst auf der Tribüne ging nach kurzer Zeit bereits eines dieser Feuer hoch.
Ebenso versuchten sich einige Fans immer wieder durch den Innenraum auf Händen tragen zu lassen, stürzten aber mit schöner Regelmäßigkeit ab. Besser machten es da Andi und Campino mit ihrem Stage-Diving, letzterer sogar mehrfach.
Die Show der Toten Hosen war erwartungsgemäß minimalistisch. Die vier Musiker, Mikrofone und Instrumente, dazu kleine Wasserflaschen, welche Campino immer wieder in Richtung Innenraum beförderte. Viel mehr gab es "on Stage" nicht zu sehen. Zwei Videoleinwände an den Seiten sorgten auch bei hinteren Reihen für eine gute Sicht. Zum großen Finale von "You'll never walk alone" flog Konfetti.
Doch bis dahin sollten noch gut 130 Minuten vergehen, in denen die Toten Hosen fast alle meine Songwünsche erfüllten - und sogar noch Platz für gute Neuentdeckungen ließen.
Erwartungsgemäß präsentierten die Düsseldorfer bei ihrem Heimspiel Ende Dezember auch einige Weihnachtslieder. Mit den gewöhnungsbedürftigen Versionen von "Oh du fröhliche" oder auch "We wish you a merry christmas" war für mich allerdings nun gar nichts anzufangen. Amüsant dagegen das Medley von Gitarrist "Kuddel" - ganz im Stil vom "besoffenen Elch". Wirklich gut hingegen der "Weihnachtsmann vom Dach" und "Auld lang syne".
Highlights? Natürlich - und das auch mehr als eine Hand voll! Auch wenn "Alles aus Liebe" fehlte, trafen "Hier kommt Alex", "Alles wird gut", "Wünsch dir was" oder das englische "Pushed Again" genau den Nerv des Publikums - mich eingeschlossen. Selbst als Fan des FC Bayern fand ich gefallen am gleichnamigen Hass-Song der Hosen. Auch "Paradies", streckenweise von Pianistin/Keyboarderin Esther Kim versucht zu singen - es blieb wirklich bei einem eher kläglichen Versuch, den Campino als solchen auch noch mal extra hervorhob - fand sich in der Setlist wieder.
Nach über zwei Stunden Spielzeit verließ ich gut gelaunt den ISS Dome um anschließend mit Shuttlebus und S-Bahn wieder in Richtung Heimat aufzubrechen - erneut ohne irgendwelche Probleme, Gedränge oder lange Warezeiten. Lobenswert!
Die Toten Hosen lieferten an diesem Abend ein relativ vorhersehbares Konzert ab, was dennoch von schlecht weit entfernt war. Die Setlist hielt neben alten Hits auch gutes, neues Material bereit - ein späterer Kauf ist von meiner Seite aus sogar sehr wahrscheinlich. An diesem Abend gehörte Stage-Diving, ausreichend Gelegenheiten zum mitsingen und mitgröhlen genauso dazu wie ein kurzes Statement von Sänger Campino in Richtung Bundesregierung. Eine Band, die ich auf jeden Fall einmal live erleben wollte, eine Wiederholung jedoch in absehbarer Zeit ausschließe. Insgesamt ein gelungener Abend.
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