Donnerstag, 24. Dezember 2009

Die Toten Hosen ("Weihnachten in Düsseldorf", 23.12.2009, ISS Dome Düsseldorf)

Den Jahresabschluss meines umfangreichen Konzertjahres 2009 bildeten die "Toten Hosen" mit einem ihrer Weihnachtskonzerte im ISS Dome in Düsseldorf. Bei der vorangegangenen Tour zum Album "In aller Stille" bestand von meiner Seite aus zunächst eher geringes Interesse an einem Besuch. Durch einige Youtube-Hörproben und den einen oder anderen TV-Auftritt der Band wuchs dieses allerdings mit der Zeit. Die Tour war mittlerweile vorbei, die angesetzten Weihnachtskonzerte am Ende des Jahres ebenfalls in kürzester Zeit ausverkauft. Glücklicher Weise ergab sich erneut, wie schon zu Jahresbeginn bei Tina Turner, die Möglichkeit über Ebay eine Karte zu erstehen. 45 Euro kostete mich diese schließlich - 10 Euro mehr als der Aufdruck aussagt - und trotzdem sicherlich völlig in Ordnung. Zudem auch noch ein Sitzplatz im Unterrang. Gerade bei den Toten Hosen sollte sich die Wahl eines Tribünenplatzes als noch sehr sinnvoll erweisen... Während in den Tagen zuvor Schneechaos, eisige Temperaturen, Ausfälle von öffentlichen Verkehrsmitteln und Sperrungen von Flughäfen die Schlagzeilen bestimmten, gab es in dieser Hinsicht am 23.12. keinerlei Probleme. Busse und Züge fuhren pünktlich - die Befürchtungen mit stundenlanger Warterei auf Bahnhöfen und an Haltestellen erwiesen sich als unbegründet. Auch die Fahrt zum mir bis dato unbekannten "ISS Dome" verlief mit S-Bahn und anschließendem Shuttle-Bus ab Düsseldorf Unterrath reibungslos ab. Aber schon in besagtem Bus wurde mein Eindruck bestätigt: Es geht hier nicht "nur" zu einem Konzert der Toten Hosen - es geht hier auch zu einem der größten öffentlichen Partys und Saufgelage zur Weihnachtszeit. Viele mit Bierflaschen, teils sogar kompletten Kästen ausgestattet, quetschten sich in den Bus. Vor der Halle ein ähnliches Bild. Eine ziemlich lange Schlange an Fans vor der Halle, der Weg in Richtung Eingang mit leeren Bierflaschen gesäumt - Hochkonjunktur für Pfandsammler. Ein Durchmogeln durch die Absperrung um früher in die Halle zu kommen wurde zwar mehrfach von Anhängern versucht, von den Ordnern aber energisch unterbunden. Der Eingangsbereich war brechend voll, bereits nach wenigen Minuten flüchtete ich eine Etage höher, der Beschilderung für meinen Block 024 folgend. Und augenblicklich befand man sich in einem deutlich ruhigeren Umfeld, der einem den Blick auf die Preise der Fressbuden und Bierstände, den Merchandising-Bereich oder einfach nur die anderen Leute erlaubte - ohne gleich umgerannt zu werden. Zur "Feier des Tages" gab es dann ein Hotdog - schließlich hatte ich noch nicht wirklich viel gegessen. 2,50 € - ok. Insgesamt hinterließ der ISS Dome einen durchweg positiven Eindruck. Der Transfer mit dem Shuttle-Bus klappte wunderbar, die Akustik der Halle entsprach absolut den Anforderungen und selbst die Sitzplätze waren bequem - vergleichbar mit Oberhausen. Durch die nur an einer Seite erbauten Logen und den dadurch nicht zu weit entfernten Oberrang hätte man auch hier durchaus noch einen guten Platz gehabt. Noch eine knappe Stunde, bevor mit den "Broilers" die Vorband auf die Bühne kommen sollte. Der Innenraum füllte sich deutlich langsamer als vermutet, war schließlich aber dennoch komplett ausverkauft. Ca. 12.500 Zuschauert erwarteten die Toten Hosen bei einem ihrer sechs Weihnachtskonzerte, viele nicht zum ersten Mal. Die Düsseldorfer Punk-Rocker, selbst alle schon jenseits der 40 Jahre, lockten sowohl männliche als auch weibliche Fans fast aller Altersschichten an. Von 13 und 14jährigen Jungs und Mädchen bis hin zu Anhängern ihrer Generation, geboren in den 60er Jahren.

Die Wartezeit bis Konzertbeginn wurde durch ein wenig Small-Talk mit einem Ehepaar, gut 10 Jahre älter als ich, überbrückt.

Die "Broilers" als Vorgruppe waren ganz ok, wenn auch nicht wirklich nennenswert. Druckvoller Punkrock auf deutsch. Das ganze in ordentlicher Lautstärke, so das meine Oropax bereits früh zum Einsatz kamen. 30 Minuten spielte die Düsseldorfer Band, eine weitere halbe Stunde später betraten die Toten Hosen unter Beifallsstürmen die Bühne. Bereits von Anfang an waren die Fans voll da. Viel Applaus und Jubel, mitklatschen, Gesang und Gegröhle - alles dabei. Bereits nach kurzer Zeit wanderte zumindest ein Gehörschutz wieder in die Hosentasche, da der erwartete Geräuschpegel nun doch nicht erreicht wurde.

Im Innenraum spielten sich ein ums andere Mal eher fragwürdige Szenen ab, da viele Fans (gerade im vorderen Bereich des Innenraumes) wie wild umhersprangen und durch die Gegend liefen, das Areal auf einigen Metern von links nach rechts durchpflügten. Auf der einen Seite sicherlich eine Form, die Begeisterung für die Musik und die Atmosphäre zum Ausdruck zu bringen, andererseits auch alles andere als ungefährlich und für Unbeteiligte äußerst nervig und lästig. Auch die mehrfach im Innenraum gezündeten "Bengalischen Feuer" boten zwar einen schönen Anblick - aber sind innerhalb solcher Hallen eine viel zu gefährliche Angelegenheit. Ordner beaufsichtigten das Abbrennen und hielten die Leute von den kleinen Feuern fern. Selbst auf der Tribüne ging nach kurzer Zeit bereits eines dieser Feuer hoch.

Ebenso versuchten sich einige Fans immer wieder durch den Innenraum auf Händen tragen zu lassen, stürzten aber mit schöner Regelmäßigkeit ab. Besser machten es da Andi und Campino mit ihrem Stage-Diving, letzterer sogar mehrfach.

Die Show der Toten Hosen war erwartungsgemäß minimalistisch. Die vier Musiker, Mikrofone und Instrumente, dazu kleine Wasserflaschen, welche Campino immer wieder in Richtung Innenraum beförderte. Viel mehr gab es "on Stage" nicht zu sehen. Zwei Videoleinwände an den Seiten sorgten auch bei hinteren Reihen für eine gute Sicht. Zum großen Finale von "You'll never walk alone" flog Konfetti.

Doch bis dahin sollten noch gut 130 Minuten vergehen, in denen die Toten Hosen fast alle meine Songwünsche erfüllten - und sogar noch Platz für gute Neuentdeckungen ließen.

Erwartungsgemäß präsentierten die Düsseldorfer bei ihrem Heimspiel Ende Dezember auch einige Weihnachtslieder. Mit den gewöhnungsbedürftigen Versionen von "Oh du fröhliche" oder auch "We wish you a merry christmas" war für mich allerdings nun gar nichts anzufangen. Amüsant dagegen das Medley von Gitarrist "Kuddel" - ganz im Stil vom "besoffenen Elch". Wirklich gut hingegen der "Weihnachtsmann vom Dach" und "Auld lang syne".

Highlights? Natürlich - und das auch mehr als eine Hand voll! Auch wenn "Alles aus Liebe" fehlte, trafen "Hier kommt Alex", "Alles wird gut", "Wünsch dir was" oder das englische "Pushed Again" genau den Nerv des Publikums - mich eingeschlossen. Selbst als Fan des FC Bayern fand ich gefallen am gleichnamigen Hass-Song der Hosen. Auch "Paradies", streckenweise von Pianistin/Keyboarderin Esther Kim versucht zu singen - es blieb wirklich bei einem eher kläglichen Versuch, den Campino als solchen auch noch mal extra hervorhob - fand sich in der Setlist wieder.

Nach über zwei Stunden Spielzeit verließ ich gut gelaunt den ISS Dome um anschließend mit Shuttlebus und S-Bahn wieder in Richtung Heimat aufzubrechen - erneut ohne irgendwelche Probleme, Gedränge oder lange Warezeiten. Lobenswert!

Die Toten Hosen lieferten an diesem Abend ein relativ vorhersehbares Konzert ab, was dennoch von schlecht weit entfernt war. Die Setlist hielt neben alten Hits auch gutes, neues Material bereit - ein späterer Kauf ist von meiner Seite aus sogar sehr wahrscheinlich. An diesem Abend gehörte Stage-Diving, ausreichend Gelegenheiten zum mitsingen und mitgröhlen genauso dazu wie ein kurzes Statement von Sänger Campino in Richtung Bundesregierung. Eine Band, die ich auf jeden Fall einmal live erleben wollte, eine Wiederholung jedoch in absehbarer Zeit ausschließe. Insgesamt ein gelungener Abend.

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