Die für meine Verhältnisse relativ kurzfristig gekaufte Karte für das Konzert von "Ich + Ich" in der Dortmunder Westfalenhalle sollte sich absolut auszahlen. Das erste Mal bewusst wahrgenommen durch den Zeichentrick-Videoclip von "Du erinnerst mich an Liebe", damals wie heute eine der schönsten deutschsprachigen Balladen überhaupt. Spätestens durch die anschließend folgende Single "Dienen" endgültig zum Fan geworden, bot auch das selbstbetitelte Debüt des deutschen Duos zahlreiche gute Stücke. Eine handvoll davon sollte es an diesem Abend in Dortmund zu hören geben. Kurz vor der Tour erschien das Nachfolgealbum "Vom selben Stern" - erneut eine gute Mischung aus Uptempo-Songs ("Vom selben Stern") und Balladen ("Stark"). Was sollte also schief gehen?
Finanziell waren Eintrittspreis, Gebühren sowie die Bahnfahrt nach Dortmund und zurück für insgesamt gute 40 € mehr als sozial und heutzutage eher eine Seltenheit.
Die Bahnfahrt war mit einem endlosen Gequetsche im Regionalexpress verbunden, was allerdings auch meiner zeitlich großzügig geplanten Anreise geschuldet war - schließlich war noch Nachmittag. Die 15-16 Jahre alten Idioten, die bei völlig überfülltem Zug ihre Six-Pack-Bierflaschen untereinander verteilten und sich das Zeug natürlich auch noch ausgiebig reinschütteten, waren nervig und kaum zu ignorieren. Mehr als 20 Minuten lang war man einem unangenehmen Geruch von Zigaretten und Alkohol ausgesetzt. Widerlich.
Am Dortmunder Hauptbahnhof war die entsprechende U-Bahn schnell zu finden und die Westfalenhalle zügig erreicht. Meine erste Veranstaltung mit freier Platzwahl - 90 Minuten vor Einlass war ich da. Auf "letzte Reihe stehen" habe ich definitiv keine Lust. Da für das Konzert auch die Sitzplätze zur Verfügung standen galt es also, einen solchen zu ergattern. Im ersten Moment traf mich der Schock - ewig lange Menschenschlangen... Doch der Schreck währte nur kurz. In der Westfalenhalle 3a spielte eine Teenie-Gruppe, "Ich + Ich" dagegen in Halle 1. Einige der nett anzusehenden jungen Damen hätte man also nur bei einem Besuch von "Simple Plan" beobachten können. So stand ich ziemlich alleine vor der noch geschlossenen Tür der Halle 1 und harrte der Dinge die da kommen sollten.
Erst ganz allmählich füllte sich der Bereich vor den Eingangstüren. Gedränge, Geschubse oder sonstige Auffälligkeiten - Fehlanzeige. Alles ging gesittet zu. Meine frühzeitige Anreise wäre nicht erforderlich gewesen. Ob Stehplatz im vorderen Bereich oder mein sehr guter Sitzplatz auf den Rängen, auch mit einem deutlich späteren Eintreffen wären hier fast alle Optionen offen gewesen. Doch auch für zukünftige Veranstaltungen ohne Reservierung wird einem zeitigen Eintreffen höchste Priorität eingeräumt.
Die nicht vollständig für Besucher freigegebene Westfallenhalle füllte sich nach und nach, so das bei pünktlichem Beginn der guten Vorgruppe "Livingston" der Innenraum und auch die eher mittelmäßig bequemen Stühle fast komplett gefüllt waren. Geschätzte 4.000 Zuschauer sorgten so für eine gute Atmosphäre.
In 105 Minuten präsentierten "Ich + Ich", bei denen nur Sänger Adel Tawil mit einer Band und 2 Backgroundsänger/innen zugegen war - die als zurückhaltend bekannte Songwriterin Annette Humpe konzentriert sich auf Studioarbeiten und wenige öffentliche Auftritte - deutliche rockigere Versionen einer Auswahl der Songs der beiden bisher erschienenden Alben "Ich + Ich" sowie "Vom selben Stern". Die Balladen "Dienen", "Wenn ich tot bin" und natürlich "Du erinnerst mich an Liebe" setzten Glanzlichter.
Super Stimmung, gute Akustik - Band und Sänger waren in guter Form. Tawil glänzte nicht nur durch seinen Live-Gesang, auch zwischenmenschlich stimmte es zwischen dem 30jährigen Berliner und dem Publikum einfach. Immer wieder wurden kleine Anmoderationen zu den Songs eingestreut, sorgten für eine entspannte und lockere Atmosphäre. Den Leuten gefiel es - mir auch!
Das Publikum dankte mit viel Applaus und ging klasse mit. Zwischenzeitlich wechselte Tawil von der großen Hauptbühne, die mit eher spärlichen Mitteln gestaltet wurde (buntes Licht, ein klein wenig Nebel zu Beginn) hin zu einer kleinen Bühne am Ende der Halle und spielte dort weitere 2-3 Songs als Zugabe.
Der letzte Song des Abends war "Vom selben Stern". Bereits zwischenzeitlich schon gespielt und frenetisch bejubelt, bildete dieser Song den Abschluss. Adel Tawil holte hier einen treuen Fan zu sich auf die Bühne, der allein bei dieser Tour bereits zum 10. Mal dabei war... Dieser sorgte mit seinen Bewegungen und "abfeiern" auf der Bühne für viel Spaß beim Publikum.
Mein erster Besuch in der Westfalenhalle in Dortmund ging zu Ende, langsam ging es in Richtung Bahnsteig. Ein Abend, der Dank des sympathischen Adel Tawil und fast ausnahmslos guten Songs mehr als nur lohnenswert war - zumal auch die Vorgruppe "Livingston" zu gefallen wusste. Dies war mit Sicherheit nicht mein letztes Konzert von "Ich + Ich". Empfehlenswert für alle Altergenerationen, die sich bei deutscher Popmusik heimisch fühlen.
Die Rückfahrt war mal wieder mit Gedränge und Warterei verbunden - unnötig, wie ich finde -was durch eine bessere Ablaufplanung des Konzertveranstalters in Verbindung mit den Dortmunder Verkehrsbetrieben hätte vermieden werden können. Der ein oder andere Sonderzug, wenigstens aber extra lange Straßenbahnen mit zusätzlichen Waggons. Aber nein - nichts von alledem. Ärgerlich - den überaus positiven Eindruck des Abends konnte dies jedoch auch nicht wirklich schmälern.
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