Bisher "nur" Besucher von Hallenkonzerten, sollte es nun endlich soweit sein - mein erstes Rockkonzert in einem Stadion! Bruce Springsteen gab sich auf seiner "Magic"-Tour in der Düsseldorfer LTU-Arena die Ehre. Trotz der zeitgleich stattfindenden, entscheidenen EM-Vorrundenbegegnung zwischen Deutschland und Österreich stand für mich eine Absage von Springsteen nie zur Diskussion.
Fußball ging mir zwar durch die Lappen, dank des Apple-IPhones meines Sitznachbarn war ich trotzdem immer über den aktuellen Stand der Spiele informiert. Die im Nachhinein als relativ langweilig und spannungsarm beschriebene Begegnung nicht im TV gesehen und stattdessen Bruce Springsteen und die E-Street-Band in Düsseldorf erlebt zu haben, sollte sich als goldrichtige Entscheidung erweisen. Auch bei einem interessanteren Spielverlauf wäre der US-Rockstar diese Entbehrung wert gewesen.
Anfangs noch etwas zögerlich bezüglich dem Kauf einer Konzertkarte - gute 80 € sind schließlich kein Pappenstil - gab schließlich die Singleauskopplung "Girls in their summer clothes" aus dem aktuellen Album "Magic" den entscheidenden Ausschlag. Springsteen, immerhin auch schon 58 Jahre alt, zeigte in fast drei Stunden Spielzeit, warum er seit vielen Jahrzehnten zu den Größten im Business gehört.
Hinfahrt mit Bus & Bahn lief ohne irgendwelche Probleme ab. Die S-Bahn fährt, ähnlich wie in der Oberhausener König-Pilsener-Arena, praktisch vor die Tore des Veranstaltungsortes. Ein kurzer Abstecher zu einer der "Fressbuden" - Cola & Brezel gekauft. Die Inspektion des Merchandising-Standes ergab: Nichts von wirklichem Interesse vorhanden.
Wie so oft hatte ich vor Konzertbeginn noch ausreichend Zeit. Da die LTU-Arena gute Möglichkeiten bietet im Außenbereich einen großen Teil des Areals zu überblicken und dementsprechend aufmerksam die ankommenden Fans und Interessierte zu beobachten, verbrachte ich die kommende, gute halbe Stunde bei sehr angenehmen Temperaturen an der frischen Luft.
45 Minuten später saß ich auf meinem Platz - Südtribüne, teuerste Preiskategorie - und beobachtete, wie sich das Stadion langsam füllte. Etwas ungünstig war hier natürlich, dass mein Sitzplatz zwar eine optimale Sicht auf Bühne und Leinwand bot, Springsteen aber auf Grund der genau gegenüberliegenden Bühne einen großen Abstand zu meinem Platz aufwies. Es galt also fast die komplette Stadionlänge von "Tor zu Tor" zu überblicken. Umso häufiger musste hier die Videoleinwand für Abhilfe sorgen. Positiv anzumerken ist jedoch der perfekte Gesamtüberblick über das Geschehen. Klatschende und stehende Fans auf der Tribüne, jubelnde Menge im Innenraum - das Gesamtbild war stimmig.
Das Dach war bei sommerlichen Temperaturen natürlich geöffnet, die Zuschauer waren alle durchschnittlich gut 15 Jahre älter als ich. Eine Tatsache, die mir noch viele Male im Laufe weiterer Konzerte auffallen sollte.
Ca. 34.000 Leute waren an diesem Abend gekommen - das Potential der Arena wurde nicht voll ausgeschöpft. Hier sind die Gründe mit Sicherheit in der gleichzeitig stattfindenden Fußballbegegnung zu suchen.
Gegen 20 Uhr betraten die Hauptakteure des Abends die Bühne. Da stand er nun, der größte Rockstar der USA, den sie überall auf der Welt als "The Boss" kennen. Wenigstens einmal im Leben wollte ich den Mann live gesehen haben, der neben zahlreichen legendären Live-Auftritten mit "Dancing in the dark", "The River", "Streets of Philadelphia" oder auch mit seinem neuen Album "Magic" einige meiner All-Time-Favorites veröffentlichte. Und es zahlte sich aus. Springsteen hinterließ mit seiner E-Street-Band einen bleibenden Eindruck. Nicht besonders firm im reichhaltigen Songkatalog des Mannes aus New Jersey, fanden auch mir eher unbekannte Songs Anklang.
Allerdings sollte an diesem Abend nicht alles reibungslos ablaufen. Bereits nach kurzer Zeit gab es einen ersten Stromausfall - kein Ton mehr. Auch die Leinwände gaben ihren Geist kurzfristig auf. Erste Fans brüllen spaßeshalber "Zugabe" und hatten die Lacher auf ihrer Seite. Der "Boss" ließ sich nicht beirren und nutzte die unfreiwillige Unterbrechung für Autogramme, Hände schütteln und sammelte Wünsche der Fans für die Setlist ein. Eben ein Mann, der trotz großer internationaler Erfolge auf dem Boden geblieben ist.
Auch wenn nach wenigen Minuten Ton und Bild wieder vollständig verfügbar waren, sollte sich die Akustik im Laufe des Abends auch weiterhin als diskussionswürdig herausstellen. Ob dem Stadion selbst, der Soundanlage oder dem Tontechniker geschuldet - der bislang gewohnte Klangstandard der Hallenkonzerte wurde hier nicht erreicht.
Ein kurzer, zweiter Stromausfall wurde ohne große Aufregung hingenommen. Auch an die Lautstärke gewöhnte man sich schnell, obwohl sich auch nach mehr als drei Tagen noch immer ein Pfeifton in meinen Gehörgängen wiederfand.
Meine persönlichen Highlights wechselten sich immer wieder mit unbekanntem bzw. mittelmäßigem bis ordentlichem Material ab - aber schlecht war es zu keinem Zeitpunkt! Die Ballade "
Magic" war der beste Song im ersten Viertel des insgesamt 28 Songs umfassenden Sets.
Die Hoffnungen in Bezug auf die Songauswahl sollten gleich mehrfach erfüllt werden - auch wenn mit "My Hometown", "Streets of Philadelphia" oder auch "Youngstown" mehr als nur ein guter Song auf der Strecke blieb. Entschädigung fand sich in "
Because the night", frenetisch gefeiert und mitgesungen von den Fans mit Sicherheit einer der Höhepunkte des Abends.
Mit "
The River" sollte gut 20 Minuten später einer der besten Songs aus Springsteens Karriere folgen. Bereits vor 28 Jahren veröffentlicht und immer noch ein Höhepunkt, sang der "Boss" diese ruhige Nummer sehr gefühlvoll.
"
Last to die", der stärkste Song des neuen Albums "Magic" fehlte glücklicher Weise nicht. Starke Instrumentalisierung und Melodie - ein Song für die großen Stadien.
Mit "
Badlands" verabschiedete sich Springsteen mit der E-Street-Band von der Bühne. Aber nur kurzzeitig. Viel Applaus für die US-Amerikaner, verdientermaßen. Und obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits über zwei Stunden gespielt waren, kehrten die Musiker zurück. Insgesamt boten Springsteen und Band stolze 165 Minuten Live-Musik und Unterhaltung auf hohem Niveau.
"
Girls in their summer clothes" machte den Auftakt der Zugabe, die ihre absoluten Höhepunkte in "
Born to run" und "
Dancing in the dark" fand. Kurze Zeit später, nach "American Land", war nun aber endgültig Schluss.
Die Zuschauer verabschiedeten Springsteen und die E-Street-Band mit völlig verdientem Beifall und Standing Ovations. Der "Boss" ließ rundum zufriedene Zuschauer zurück und rechtfertigte den Vorzug gegenüber der Fußball-TV-Übertragung auf ganzer Linie. Ein musikalisches Ereignis, was nicht nur auf Grund meiner "Stadionpremiere" so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird. Zu gut war die Live-Demonstration des US-Rockstars mit mehr als nur einer handvoll Highlights...
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