Nachdem "Allein Allein" zwar das Highlight des bisherigen Schaffens der Dresdner Gruppe "Polarkreis 18", jedoch keineswegs der einzige mehr als vorzeigbare Song ist, wurde relativ spontan für gute 20 Euro eine Konzertkarte für den Auftritt der Band in der Zeche Bochum erworben.
Ist die Musik auf den ersten beiden bekannten Alben von 2007 & 2008 fast durchweg elektronisch geprägt - mit Spielraum für Live-Experimente - sollte der Auftritt doch ganz anders verlaufen als zunächst erwartet. Und um es vorweg zu nehmen: Es sollte keine Enttäuschung werden.
Als Vorgruppe erwartete die ca. 600 Zuschauer in der gut gefüllten Zeche die Band "Super 700". Die 30 Minuten Vorprogramm kamen gut an und machten Lust auf mehr. Musikalisch klar dem Rock zuzuordnen, konnten Stimme und Melodie bei den Songs durchaus für Gefallen sorgen. Entsprechend positiv die Reaktionen der Zuschauer.
Highlight des Abends waren aber natürlich Polarkreis 18. Die Band um Sänger Felix Räuber wurde gerade von zahlreichen weiblichen Fans sehnsüchtig erwartet.
Bereits beim Warten vor den Veranstaltungsräumlichkeiten vielen einige 14-16 jährige dieser Anhänger durch kleine Schwärmereien für die Bandmitglieder auf - besonders groß wurden die Augen, als der Frontmann der Gruppe ohne Berührungsängste geschätzte 30 Minuten vor Beginn sich seinen Weg in die Zeche durch den Vordereingang suchte.... und natürlich erkannt wurde. Für Fotos und Autogramme stellten sich Polarkreis 18 nach dem Konzert selbstverständlich zur Verfügung.
Was Fans und Interessierten aber in den kommenden 80 Minuten erleben sollten, verblüffte. Ein paar Durchgänge der bisherigen Alben "The colour of snow" und "Polarkreis 18" dienten als Anhaltspunkt, in welche Richtung es gehen sollte. Deutlich elektronisch geprägter Sound mit Gitarren...
Bereits kurz nach Beginn (die Zuschauer skandierten bereits zuvor "Allein Allein" im Chor) krachten die E-Gitarren und das Schlagzeug mit viel Power und Lautstärke, wie es Nirvana in den Neunzigern nicht besser hätten machen können. Polarkreis 18 betraten - ganz in weiß gekleidet - die Bühne.
Und dieses Gitarrengewitter sollte keine einmalige Sache bleiben. Immer wieder spielten Polarkreis 18 krachende Versionen ihrer Songs, völlig ungewohnt im Vergleich zu den Albumversionen. Gesang und Melodie gingen indes in dem von Rock geprägten Set nicht unter. Sänger Felix Räuber wirkte meist sicher in den Interpretationen der Stücke. Musikalisches Highlights gab es das ein oder andere Mal zu bewundern, allen voran natürlich "Allein Allein".
Publikumsnähe zeigten die Dresdner zur Freude der (weiblichen) Fans, als der Frontman von der Bühe aus über die Absperrung kletterte, einige Meter durch Publikum lief und am im hinteren Bereich gelegenden Mischpult weitersang. Lebhaft in Erinnerung blieb hier der Versuch stimmlich in ungeahnte Höhen zu gelangen, der eher in Richtung Kieksen abdriftete. Amüsiert blickende Zuschauer und schmunzeln waren in diesem Moment allgegenwärtig.
Alles in allem bot mein erstes Stehplatzkonzert in der Zeche Bochum - außer Rückenschmerzen - über 80 Minuten hinweg eine sympatische Gruppe, die mit den deutlich härter als erwartet ausfallenden Interpretationen ihrer Songs für viel Dampf sorgte, den Bogen aber nicht überspannte.
Für einen überragenden Auftritt reichte es auf Grund der fehlenden Top-Songs im Repertoir natürlich nicht - gefallen hat es aber trotzdem.
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