Seit über 10 Jahren ein Fan der Dire Straits und von Mark Knopfler, nahm ich erste Songs der Gruppe schon mit 13 oder 14 Jahren bewusst wahr. Das prägnante Keyboardspiel von "Walk of life", kurze Zeit später auch "Brothers in arms", hatten dank etlicher Durchläufe bei "Vinyl" (damaliges Musikmagazin auf Viva 2, wo vornehmlich Musik der 80er Jahre gespielt wurde) ihren dauerhaften Weg in meine Gehörgänge gefunden. Besonders letzgenannter Song sollte sich bei mir als zeitloser Klassiker erweisen - bis heute eines meiner Lieblingslieder.
Kontinuierlich wurde auch die CD-Sammlung ausgebaut, mit jedem Album kamen neue Highlights ans Tageslicht. Und gerade die Live-Mitschnitte ("Alchemy" & "On the Night") stachen dabei besonders hervor. Ein Konzertbesuch - zumal in der günstig gelegenden König-Pilsener-Arena in Oberhausen, anläßlich des neuen Albums "Kill to get Crimson" - wurde zügig eingetütet - mehr als sieben Monate im voraus. Teuerste Sitzplatzkatergorie, preislich irgendwo zwischen 70 und 80 Euro angesiedelt. Egal.
Samstags ging es mit Bus & Bahn zum Veranstaltungsort - und wie immer zu früh da. Mit dem Bierwagen und Würstchenverkäufer bin ich nicht zu locken, also lieber eine kleine Runde im Centro gedreht.
18 Uhr war Einlass, der Sitzplatz schnell gefunden. Gedränge oder Geschubse auf dem Weg zu den Plätzen gab es in Oberhausen nicht. Auf Grund der ausschließlich reservierten Sitzplätze (inklusive bestuhltem Innenraum) auch gar nicht erforderlich. Es waren aber noch ca. 90 Minuten bis zum Konzertbeginn, also ging es nochmal raus in Richtung "Fressmeile". "Mexico-Stange" und eine Cola für zusammen knapp 7 Euro. Nicht gerade günstig. Wie sich bei den folgenden Veranstaltungen zeigen sollte allerdings die Norm.
Ausverkauftes Haus, mehr als 11.000 Fans, die Arena bis unter die Decke gefüllt. Knopfler spielt seit dem Ende der Dire Straits keine Stadien mehr. Nicht aus mangelndem Fan-Interesse, wie hier deutlich wurde, sondern um einfach alles etwas kleiner zu halten.
Um 19:45 Uhr kam Mark Knopfler unter tosendem Applaus auf die Bühne. Und die Begeisterung und Euphorie sollte sich über die kommenden 120 Minuten halten. Völlig zu Recht! Vom neuem Album "Kill to get Crimson" gab es erstaunlicher Weise lediglich zwei Stücke zu hören - "True love will never fade" und "Let it all go". Bei diesem Back-Katalog von vielen herausragenden Songs bleibt halt keine Zeit für neue Sachen. Knopfler spielt, wozu er Lust hat - die Fans lieben es. So gab es eine Mischung aus Dire Straits-Material der 70er und 80er und Knopflers Solo-Songs.
Als Studioaufnahme bestenfalls zufriedenstellen, oftmals aber eher als etwas vermurkst einzuordnen, war "Romeo & Juliet" in der knapp zehnminütigen Live-Version von "On the Night" schon immer einer meiner absoluten Lieblinge. Und dann spielte Knopfler diesen Song doch tatsächlich. Für mich etwas unerwartet - die Freude war umso größer. Ein langes Intro & Outro, perfekter Klang und Sound in der Arena. Genauso wie es klingen muss. Die Fans sind verzückt.
Direkt im Anschluss an das phenomenale "Romeo & Juliet" folgte DER Song, auf den alle gewartet haben - mich eingeschlossen: "Sultans of Swing". Eines der Markenzeichen von Knopfler, bei dem an diesem Abend sowohl Männer als auch Frauen jenseits der 50 aufspringen und sich durch den bestuhlten Innenraum einen Weg nach vorne bahnen. Die Fingerfertigkeiten des fast 60jährigen hatten nicht nachgelassen. Die Hände flogen über die Saiten seiner Gitarre, beschleunigen spielend das Tempo - die Euphorie erreichte ihren Höhepunkt. Die hervorragende Begleitband um Knopflers langjährigen Weggefährten Guy Fletcher sorgt für idealen Sound.
"Speedway at Nazareth" sagte mir an dem Abend zu meiner Schande nichts. Die sträflich vernachlässigte Nummer vom Album "Sailing to Philadelphia" konnte auch weniger durch Gesang bzw. die ersten zwei bis drei Minuten Spielzeit überzeugen - vielmehr begeisterte der Schlussteil. Der Song begann bedächtig, fast uninteressant und steigerte sich mit zunehmender Spieldauer in seiner Intensität und Lautstärke zu einem regelrechten Feuerwerk.
Die im Schnitt ca. 45jährigen (oder doch etwas älter?) Besucher haben applaudiert, gejubelt und für eine Top-Stimmung gesorgt. Stimmlich stark, überzeugendes Gitarrenspiel - Knopfler in einer grandiosen Form. Im Gegensatz zu manch anderen Künstlern gibt es vom Briten keine einleitenden Sätze zu den Stücken, zwischendurch nur ein paar wenige Worte - mehr nicht. Knopfler ließ seine Musik sprechen - und das mehr als eindrucksvoll.
Knopfler verließ nach 13 Songs die Bühne, wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Kurze Zeit später die erste Zugabe: "Brothers in Arms". Ein leicht hektischer Anfang - doch dann entfaltete einer der besten Songs der Musikgeschichte seine Aura. Wunderbar.
Und sonst? Ein "Daddy's Gone to Knoxville" hätte es nicht gebraucht. Umso mehr Spaß machten "Postcards from Paraguay" und "Shangri-La" vom gleichnamigen Studioalbum. Besondere Erwähnung gebührt natürlich noch einem der Highlights des Abends: "Telegraph Road" erntet - völlig zu Recht - einen donnernden Applaus. In dem mehr als zehnminütigen Stück stelle Knopfler erneut seine Fähigkeiten an der E-Gitarre unter Beweis, ohne die Spur von Arroganz, viel mehr zeigte er Spielfreude.
Etwas nervig fand ich (mal wieder) diese penetranten "Ich hol mir noch ein Bier"-Besucher. Ständiges Rumgelaufe, auch mitten in den Songs - was soll das? Entweder kaufe ich vorher was, in der Pause - oder lasse es bleiben. Da bekommt man immer Zweifel, ob die Leute sich wirklich für das Konzert interessieren.
Nach gut zwei Stunden Spielzeit und vielen gefühlvollen, elektrisierenden Momenten verabschiedete sich der ruhige, stets entspannt wirkende Brite unter donnerdem Applaus von seinen Fans, mit "Local Hero" verließ er die Bühne. Ein Konzert, was mir noch lange in Erinnerung bleibt. Hoffentlich nicht der letzte Auftritt des 58jährigen in Deutschland.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen