Und wieder einmal - innerhalb kurzer Zeit - ein weiteres Konzert in der Zeche Bochum. Eine gut einsehbare Bühne, die sich aus nahezu jedem Blickwinkel der Locations gut überblicken lässt, ansprechende Steh- und Sitzgelegenheiten sowie Atmosphäre und Klang, die auch bei diesem Event gefallen konnten - wenn auch die musikalische Qualität nicht mit "Polarkreis 18" oder "Razorlight" vergleichbar war.
Star dieses Abends: Marc Almond. In den 80er Jahren als Sänger des Duos Soft Cell ("Tainted Love") sowie dem Gene Pitney-Duet "Something's Gotten Hold Of My Heart" bekannt und erfolgreich geworden. Abgehalfteter Ex-Star ohne Stimme? Bei Marc Almond definitiv nicht der Fall. Sicher beherrschte der Sänger, dessen letzter nennenswerter Hit von 1992 stammt ("The Days of Pearly Spencer"), sein Repertoir. Vielleicht nicht mit der Eleganz und Gelassenheit früherer Zeiten, aber immer noch gut.
Als Besitzer lediglich eines Albums von Almond aus den 90er Jahren ("Fantastic Star") und
der zuvor bereits erwähnten beiden Superhits, bestand jedoch bereits bei Tourbeginn ein gewisses Interesse, einem Live-Auftritt des Künstler beizuwohnen.
Preise von 40 Euro schreckten aber dann doch gewaltig ab. Dank eines Ebay-Schnäppchens für gerade mal den halben Preis ging es dann schließlich in Richtung Bochum. Erwartungen an den Abend? Gering, auf weniger als eine handvoll Songs beschränkt.
Klar, 2-3 Lieder wird man bestimmt kennen und mögen, der Rest eher unter ferner liefen.
Die auf der Eintrittskarte angekündigte Bestuhlung suchte man vergeblich. Allerdings durchaus vernachlässigbar - die große Sitztreppe bot ausreichend Platz.
Auffällig - aber nicht wirklich verwunderlich - war ein hoher Männeranteil von ca. 70%, größtenteils Ende Dreißig oder älter und nach subjektiven Schätzungen der homosexuellen Bevölkerungsschicht zuzuordnen. Angesichts von Marc Almond als öffentlich bekennender Schwuler keine Überraschung.
In der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Bochumer Zeche orientierte sich die Show des
52 Jahre alten Briten in Richtung Varieté. Halstuch, Schminke, große Gesten. Live genauso, wie man ihn sich auf Grund von Videoclips und TV-Auftritten vorgestellt hat. Nicht mein Geschmack, dem Gesamtkunstwerk, der Person Marc Almond trug der Auftritt jedoch absolut Rechnung.
Neben einem guten Dutzend unbekannter Titel (sowohl hörenswerte Nummern als auch Rohrkrepierer) kristallisierten sich erwartungsgemäß das rocking instrumentalisierte "Tainted Love" im Zugabenteil und die Gene Pitney gewidmete Ballade "Something's Gotten Hold Of My Heart" heraus. Erfreulich: Auch der beste Song des Albums "Fantastic Star" wurde ebenfalls gespielt und enttäuschte nicht: "Child Star".
Almond gelang es leider nie den Zuhörer wirklich zu fesseln, zu berühren. Hier und da zufriedenstellender Rock und auch zwei bis drei Balladen sind hervorhebenswert - aber mehr? Der überwiegende Rest war leider nur der erwartete Durchschnitt, nicht selten in Richtung Belanglosigkeit abdriftend.
Schlussendlich ein Konzert, was bestimmt nicht als "verkorkst" oder "misslungen" bezeichnet werden kann - von einem Highlight aber ebenso weit entfernt ist. Ausschlaggebend ist dafür in erster Linie der (zuvor bekannte) Mangel an herausragenden Songs in Almonds Repertoir, von ganz wenigen Ausnahmen mal abgehen. Kein Vorwurd an Band oder Künstler - die künstlerische Leistungsfähigkeit stößt hier eben deutlich früher an ihre Grenzen als bei anderen.
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