Samstag, 10. Oktober 2009

Linkin Park ("Projekt Revolution", 28.06.09, Düsseldorf)

Erstmals stand Hardrock/Nu Metal auf dem Plan, dazu zahlreiche Vorgruppen mit ähnlichem musikalischen Hintergrund. Linkin Park hatten bei einem ihrer wenigen Konzerte der letzten Jahre zum "Projekt Revolution" geladen.
In der Düsseldorfer LTU-Arena, gefüllt mit mehr als 30.000 Fans, machten diese vornehmlich im prall gefüllten Innenraum (hier, im Gegensatz zu den meisten anderen Veranstaltungen, über die gesamte Länge des Spielfeldes vor der längstseits liegenden Bühne) Stimmung.
Da an diesem Abend sechs Gruppen angekündigt waren (bei einem sehr sozialen Eintrittspreis von ca. 55 €), für mich der interessante Teil mit "The Used", "N*E*R*D", "HIM" und natürlich Linkin Park erst nach 20 Uhr begann, blieb - wie fast immer - noch genug Zeit um die anrollenden Menschenmassen zu beobachten.
Beim Warten aufs Ende der ersten Vorgruppen ("Innerpartysystem" & "The Bravery") beschlich mich erstmals das Gefühl eines möglichen Höhrschadens.... Beim Einsetzen der E-Gitarren fühlte man sich auch außerhalb der Arena und trotz geschlossenem Dach böse an einen dröhnen Presslufthammer erinnert, auch glaubte man den Druck der Musik körperlich zu spüren. In weiser Voraussicht eines (bei diesen Gruppen normalen) erhöhten Lautstärkepegels hatte ich von zu Hause gelbe Ohrstöpsel mitgebracht - was sich noch als sehr nützlich erweisen sollte.
Auch wenn in den kurzen Pausen zwischen den Acts mein Weg in die Vorräume und Gänge von ein paar eher spöttischen Blicken in meine Richtung begleitet wurde, fühlte man sich spätestens bestätigt, als mein Tribünen-Sitznachbar anfing sich zerknüllte Taschentücherfetzen in die Ohren zu stopfen. Zudem wurde auch mit Gehörschutz aus der Musik kein dumpfer Soundbrei. Keine merkliche Beeinflussung des Hörvergnügens, lediglich eine Abschwächung der Lautstärke.
Während die ersten Acts des Abends bewusst von mir ausgelassen wurden, brachten nachfolgende Bands das komplette Leistungsspektrum - mit deutlichen Steigerungen zum Ende hin.
The Used
Von einer Arbeitskollegin wärmstens empfohlen, reichte es nur zu einem unterdurchschnittlichen Auftritt. Zwei mir bekannte Songs aus dem Album "Lies for the Liars", der Rest langweilig und einfallslos. Der Versuch des Frontmans, hier und da für Stimmung zu sorgen, gelang nur bedingt. Den hier gebotenen Songs fehlte es einfach an allen Ecken und Enden. Lautstärke und krachende Gitarren können mangelndes Songwriting nicht ersetzen.
Geschätzte 35 Minuten Spielzeit waren dann auch genug des Guten. Es blieb also noch genügend Luft nach oben...
N*E*R*D
Die Hip-Hop/Dance-Combo um US-Producer Pharrell Williams ("The Neptunes") konnte positiv überraschen. Kein zu prolliges Auftreten, ansprechende Beats und deutlich mehr als erhofft. Die Mischung aus Rap und elektronischer Musik in Kombination mit Gitarren sorgte für frischen Wind und konnte auch die Zuschauer überzeugen.
HIM
Die Finnen um Frontman, Texter und Komponist Ville Valo gehören bei mir seit "Join me in death" zu den favorisierten Vertretern des Rock. "Love Metal" nennen sie ihre eigene Musik - Texte über Einsamkeit, Liebeskummer und Verzweiflung im Rockgewand gab es natürlich auch in Düsseldorf. 60 Minuten lang brachte ein lässig entspannter, mit Kippe bewaffneter Sänger (der teilweise durchaus etwas angeheitert/bekifft wirkte) mit seinen Bandmitgliedern eine kleine Auswahl aus der bisherigen Schaffensphase der Band. "Join me in death", "The Funeral of Hearts" oder "Right here in my arms" - um nur einige zu nennen - wurden von der Masse dankbar aufgenommen. Souveräner Auftritt!
Linkin Park
Gegen 22 Uhr kam dann endlich die Hauptattraktion des Abends auf die Bühne. Linkin Park zeigten von Beginn an, warum sie zu Recht zu den größten Rockbands des auslaufenden Jahrzehnts gehören.
Mit einem Querschnitt durch alle bisherigen Studioalben versetzte die 21 Songs umfassende Setlist die Fans in Verzückung. Mit "Numb", "Faint", "In the End" oder "Somewhere I belong" zeigten die US-Amerikaner Hard Rock/Nu Metal erster Klasse.
Deutlich härter als Bon Jovi, um Längen melodischer als Metallica und auch bei ruhigeren Tönen ("Shadow of the day", "Breaking the habit") absolut auf der Höhe, bildeten der etwas unerwartet klare und kräfige Live-Gesang von Chester Bennington und die Lichtshow die Grundlage für einen furiosen Auftritt. Auch die Rap-Parts von Mike Shinoda wussten zu gefallen.
Begeisterung im Innenraum (wo viele Handy-Displays für ein buntes Farbenspiel sorgten) und auf den Rängen, die Lautstärke und Wucht der Musik ließ einem so manches Mal die Klamotten vibrieren.

Insgesamt brachten Linkin Park mit ihrem "Projekt Revolution" viel Musik der härteren Töne - und das für vergleichsweise wenig Geld - auf die Bühne. Geschätze fünf Stunden gab es wuchtige E-Gitarren, Bässe und elektronische Klänge mit schwankender Qualität. Die Stimmung bei den Fans war fast durchweg gut, die Lichtshow fand ebenfalls Anklang. Alleine für den Hauptact hätte sich der Eintritt schon gelohnt - HIM und die überraschend guten N*E*R*D rundeten die gute Vorstellung in der LTU-Arena noch ab.

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