Einige verpasste Gelegenheiten sich das norwegische Trio live anzusehen hätten sich fast schmerzhaft gerecht - wenige Wochen vor meinem ersten a-ha Konzert gaben die Skandinavier 25 Jahre nach dem Debütalbum ihre Trennung für Ende 2010 bekannt.
Die Konzertkarte für die Lanxess-Arena in Köln - natürlich bereits Monate im Voraus gekauft - wird (sofern es sich 2010 auf der Abschiedstour nicht erneut ergeben sollte) also auch mein letztes a-ha Konzert einläuten.
Mein zweiter Besuch in der Lanxess-Arena sollte - nach Tina Turner im Januar diesen Jahres - erneut ein Highlight werden. Aber fangen wir vorne an...
Die Arena, auf Grund von längeren Wartezeiten am Bahnhof Deutz, der gut einstündigen Bahnfahrt und den im Verhältnis zu Oberhausen, Essen, Dortmund oder Gelsenkirchen fast dreimal so hohen Anfahrtskosten bislang eher als Notlösung betrachteter Veranstaltungsort (ähnlich wie das Palladium), konnte neben bequemen Sitzen und der guten Erreichbarkeit auch abseits des Konzertes punkten. Keine endlosen Wartezeiten an den zahlreichen Getränke- und Essensständen, top gepflegte Sanitäranlagen sowie die ansprechende Präsentation des kulinarischen Bereichs mit kleinen Essecken, Bierständen oder einem speziellen Stand für Eiscreme gefielen gut.
Die im Vorfeld bekanntgegebene Trennung steigerte die Vorfreude auf den Auftritt der Norweger noch, aber auch die Enttäuschung, dass es danach wohl nicht mehr die Möglichkeit eines Live-Erlebnisses geben wird. Die Hoffnung bei den im kommenden Jahr anstehenden Konzerten erneut die Möglichkeit zu bekommen, live dabei zu sein - sie bleibt. Die Erwartungen an diesen Auftritt in Köln, der den Auftakt zur "Foot of the mountain"-Tour bildete, waren enorm.
Zwanzig Minuten vor Konzertbeginn fand ich mich auf meinem Sitzplatz, einen Steinwurf von der Bühne entfernt im Unterrang gelegen, ein. Kurz nach 20 Uhr betrat die aus Deutschland stammende, mir bislang völlig unbekannte Band "Stanfour" die Bühne. Musikalisch deutlich hörbar von Coldplay beeinflusst, boten die Jungs eine gute halbe Stunde lang Musik auf durchgängig hohem Niveau. Mal ruhig, mal rockig - alles dabei. Die Songs waren sogar so gut, dass das Debütalbum "Wild Life" und das bald erscheinende neue Werk sich anschließend umgehend auf meiner Wunschliste wiederfand. Auch ein Konzertbesuch wurde vorgemerkt. Neben dem U2-Support "Snow Patrol" und "HIM" als Opener für Linkin Park die bislang beste Vorgruppe, die ich bislang erlebt habe. Eine halbe Stunde nach diesem unerwartet starkem Beginn betraten a-ha unter großem Beifall und Begeisterung der Fans die Bühne...
Ein Blick ins Rund der Lanxess-Arena offenbarte neben einigen etwas jüngeren Fans ein Durchschnittsalter um die 40 Jahre. Viele Pärchen, die a-ha wohl bereits in den 80er Jahren lieb gewonnen hatten, ließen sich auch einen der letzten Auftritte in Deutschland nicht nehmen. Offiziell ausverkauft, fanden sich im Oberrang ein Drittel leere Plätze - direkt gegenüberliegend der Bühne. Möglicher Weise nicht komplett zum Verkauf freigegeben, vielleicht auf Grund des Termines inmitten der Woche aber auch etwas ungünstig gelegen, kannte aber auch die nicht bis an ihre Kapazitätsgrenzen (ca. 15.000, abhängig vom Bühnenaufbau bzw. Bestuhlung) mit insgesamt 10.000 Zuschauern gefüllte Arena in Punkto Klang, Stimmung und Begeisterung der Fans kaum Grenzen.
Fans versammelten sich kurz vor Beginn des Auftritts der Norweger stehend vor der Absperrung am Bühnenrand, wurden vom Security-Service aber zurückgewiesen. Erst gegen Ende des Konzertes wurde zahlreichen Anhängern gestattet, auch "Front of Stage" ihren Idolen zuzujubeln.
Die Setlist begann überraschend: "The sun always shines on T.V." direkt am Anfang. Wuchtig klingen die elektronischen Sounds, aber nie zu laut oder überdreht jagen a-ha einen ihrer größten Hits durch die Boxen in die Halle. Die Fans feiern von Beginn an, niemand sitzt mehr. Unterstützt wird das Trio von einem Schlagzeuger sowie einem Keyboarder. Die Bühne ist eher minimalistisch gehalten. Natürlich kein Vergleich zu U2. Die drei Norweger spielten vor Projektionen von Landschaftsbildern oder einfachen Farbenspielen. Nichts Großes, nichts Aufwendiges - aber der Gesamteindruck ist stimmig.
An diesem Abend präsentieren a-ha einen Querschnitt ihres gesamten Schaffens -mit Ausnahme der 90er Jahre. Der Fokus liegt auf den 80er Jahren und den Songs seit dem Comeback 2000. Ganze sechs Stücke vom Debütalbum "Huntingh High and Low", dem erfolgreichsten Werk der Norweger, dazu fünf Nummern vom aktuellen und letzten Studioalbum "Foot of the Mountain" bilden das Grundgerüst. Leider fehlen einige der besten Songs, zu finden auf dem 1990 erschienenden "East of the sun, west of the moon". So unter anderem der Titeltrack oder auch "Crying in the rain". Auch die Veröffentlichung "Memorial Beach" von 1993 bleibt völlig außen vor. Bei der für 2010 angekündigten Abschiedstournee wird dagegen sicherlich auf einige der Songs zurückgegriffen werden.
Auch wenn die oben erwähnten Alben in der Setlist keine Berücksichtigung fanden, konnten a-ha die Fans mit "Scoundrel Days", "Forever Not Yours" oder auch "Manhattan Skyline" mehr als nur zufriedenstellen.
Zu (nicht nur meiner) besonderen Freude wurde "Stay on these Roads" gespielt. Die Ballade brachte Harkets Stimme perfekt zur Geltung. Auch die in blauem Licht getauchte Bühne, eine große Welle im Wechselspiel mit einer Art Sternenmeer im Hintergrund auf den Leinwänden sorgte für eine bleibende Erinnerung.
Und spätestens als einige Songs später "I dream myself alive" im typischen 80er-Jahre-Soundgewand durch die Halle schallte, wünschte man sich, dass das Ende dieses Abends in ganz ganz weite Ferne rückt... Es gab schließlich noch so viele Songs, die man live hören wollte.
Eine weitere Überraschung gab es, als Morten und Pal mit der Akustikgitarre, Magne mit einem Mini-Keyboard "unplugged" die Songs "And you tell me" von 1985 und das neun Jahre alte "Velvet" anstimmten. Ein schöner Klang und harmonischer Gesang sorgten für die ruhigeren Momente an diesem Abend.
Die Bühne liegt im Dunkeln, die ersten Akkorde erklingen.... Summer moved on! Die grandiose Comeback-Single von 2000, bereits damals einer meiner Favoriten. Die freudige Anspannung steigt - die Nervosität ebenfalls. Alle warten bei diesem Song auf DIE eine Stelle, den speziellen Moment. Die ersten zweieinhalb Minuten klingen souverän, die Höhen werden gemeistert. Ein paar Wörter singt Harket anders als der Text es eigentlich vorsieht - Nebensache. Und dann - der Moment, auf den 10.000 Fans warten: "Moments will pass and it's just one thing left to....ask". Die Anspannung fällt ab - Harket hält den letzten Ton für knappe 20 Sekunden! Die Menge rast vor Begeisterung. Der mittlerweile 50jährige schnappt kurz nach Luft - es war im gegönnt - und bringt den Song sicher zu Ende. Eines der Highlights des Abends - und noch war die Show nicht vorbei.
Die Bühnenpräsenz der Norweger war musikalisch natürlich Weltklasse - das Zwischenmenschliche im Kontakt zu den Fans hätte durchaus inniger ausfallen können. Während Pal grundsätzlich dezent im Hintergrund agiert, sorgte Keyboarder Magne für etwas Auflockerung und richtete hier und da auch mal ein paar Worte an die Fans. Sänger Morten Harket gab sich da eher zurückhaltend - auch Magne konnte ihm nicht viel mehr entlocken. Trotz alledem wirkte er nicht unsympathisch.
"Foot of the mountain", der letzte der fünf Songs des neuen Albums am heutigen Tag, wurde von der Menge mit Begeisterung entgegengenommen. Und endlich durften die Fans auch den Innenraum stehend vor der Bühne bevölkern. Bei diesem Stück zeigte sich erneut, wie perfekt sich das neue Material von a-ha in die Songs der 80er Jahre einfügte. Unter großem Beifall und Jubel verließen a-ha die Bühne, um nach kurzer Zeit die gewünschte Zugabe zu erfüllen.
"Cry Wolf" hätte es auch an diesem Abend nicht gebraucht, live wirkte die Nummer wenigstens nicht so uninteressant wie auf dem Album "Scoundrel Days". Mit "Analogue (All I want)" kam der vielleicht härteste Song des Abends zum Vorschein. Eines der Highlights des Konzertes schloss sich an diesen Song an: "The Living Daylights". Das Publikum stimmte lautstark in den Chorus ein. Als a-ha die Instrumente zurücknahmen, schallte der Refrain durch die ganze Halle. Die Norweger bedankten sich, verließen sichtbar zufrieden die Bühne.
Die Musiker waren nicht mehr auf der Bühne - die Zuschauer sangen weiter. Es brauchte den ein oder anderen Versuch, bis Innenraum und Tribüne im Einklang waren, doch dann sangen 10.000 Leute immer wieder "Ooooh Ooh Ooh Ooh - The Living Daylights". Jubel brandete auf, als a-ha sich ein weiteres Mal zeigten. Nicht bewusst vermisst, am Ende aber dann natürlich doch froh, als DER Song von a-ha überhaupt kam: "Take on me". Mitklatschende Fans, ein schneller Beat und zum letzten Mal an diesem Abend herrschte eine euphorische Stimmung.
Nach 105 Minuten verließen die Norweger endgültig die Bühne der Lanxess-Arena in Köln. Sie hinterließen 10.000 begeisterte Fans, die a-ha in musikalischer Hochform erleben durften. Hier überzeugten sowohl die Klassiker als auch besonders die neuen Stücke "Foot of the mountain" und "The Bandstand".
Die Freude über die so eben erlebte Show überwog die aufkommende Wehmut über das Ende der Band.... vielleicht 2010 noch mal. Hoffentlich.
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