Samstag, 31. Oktober 2009

Depeche Mode ("Tour of the Universe", 31.10.09, Oberhausen)

Eigentlich sollte ich mein erstes Konzert der britischen Band Depeche Mode Mitte 2009 in der LTU-Arena Düsseldorf erleben. Ein plötzlich diagnostizierter Blasentumor von Sänger Dave Gahan machte diesen Auftritt zunichte - auf unbestimmte Zeit verschoben. Glücklicher Weise ergab sich die Chance auf das Zusatzkonzert in Oberhausen - Ebay sei Dank sogar in der besten Kategorie für einige wenige Euro Aufpreis. So kam ich doch noch in diesem Jahr zu meinem ersehnten Depeche Mode-Gig.
Wenige Tage vor dem Oberhausener Konzerttermin gab es im Online-Shop von Depeche Mode im Internet eine Hand voll neuer Artikel. Neben Poster, den weit verbreiteten Fanshirts, vornehmlich dunkel gehalten und dem ein oder anderen blinkenden Anstecker allesamt begehrte Artikel an den Merchandising-Ständen. Optisch sogar über weite Strecken vorzeigbar, konnte ich mich bislang aber auch hier nicht zu einem Kauf entscheiden.
Ein Platz in einer der vordersten Reihen in Block 104 im Unterrang der Sitzplatztribüne für 80 Euro - man will ja schließlich was sehen - war meiner. Innerhalb kurzer Zeit ausverkauft, gab es über einen Ebay-Sofortkauf nach dem auf unbestimmte Zeit verschobenen Termins in Düsseldorf diese Möglichkeit.
Die Sitzplätze waren zunächst noch relativ sporadisch gefüllt. So hatten die beiden Damen wenige Reihen vor mir auch die Möglichkeit, sich alleine, gegenseitig und zusammen aus allen Ecken und Enden zu fotografieren - natürlich mit Depeche Mode Becher in Händen. Während dieses Fotografieren noch eher als amüsant einzustufen war, ging einem hier die Lauferei zum Bierstand und anschließend natürlich noch in Richtung Toilette in meiner Sitzplatzreihe schon etwas auf den Keks.
Im Laufe der nächsten 60 Minuten sollte die Arena bis an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht werden. Keine freien Plätze, auch der Innenraum war am Ende seines Fassungsvermögens angelangt. Etwas erstaunt reagierten die Inhaber der Stehplatzkarten, als die Tickets am Eingang zum Innenraum einbehalten wurden. Zur Vermeidung einer Überfüllung durch unberechtigte Besucher im Innenraum bestimmt nicht falsch - neu war es für mich schon.
Um kurz vor acht betraten "Soulsavers" wortlos die Bühne und lieferten eine halbe Stunde lang ein relativ langweiliges, belangloses Set ab. Getragener Rock, dazu immer wieder E-Gitarren, kamen in Verbindung mit der tiefen Stimme des Sängers beim Publikum nicht an. Höflichkeitsapplaus, mehr nicht. Viel zu selten gelang der Kombo aus England mal ein ansprechender Melodiebogen. Eintönig, unbedeutend und nach dem fast wortlosen Abgang von der Bühne auch ganz schnell wieder vergessen. Zur Einstimmung auf den Höhepunkt des Abends alles andere als geeignet. Eine Vorgruppe, die man sich hätte sparen können.

Die Fans allgemein, fast allesamt im mittleren Alter um die 40 Jahre und nach meinem Eindruck im großen Maße Wiederholungstäter in Bezug auf Depeche Mode, sorgten von Anfang an für eine sehr gute Stimmung. Vom ersten Ton an sangen die absolut textsicheren 12.500 Zuschauer in der Halle nahezu jede Zeile mit. Sänger Dave Gahan gab dazu auch immer wieder Gelegenheiten.

Und wie stand es um die Hauptprotagonisten des Abends? Martin Gore betrat in auffälliger Gold-Glitzer-Jacke die Bühne. Bereits nach wenigen Songs legte der 48jährige diese aber zur Seite, der Rest der Show wurde in einem unauffälligen, schwarzen Westen-Outfit bestritten. Gore setzte die ruhigen Akzente im ansonsten energiegeladenen Konzert in Oberhausen. Seine perfekt vorgetragenen Balladen überzeugten auf ganzer Linie.

Andy Fletcher, Keyboarder der Band und ohnehin nicht als extrovertierte Stimmungskanone bekannt, agierte erwartungsgemäß im Hintergrund. Man konnte jedoch regelmäßig beobachten, wie der Brite Spaß hatte, sich immer wieder bewegte, in die Hände klatschte...

Dave Gahan, mit schwarzer Weste und ansonsten unbedecktem Oberkörper, war von Beginn an in engem Publikumskontakt, sorgte durch diverse Po-Wackler für Begeisterung bei den weiblichen Fans. Stimmlich in absoluter Höchstform, spornte Gahan das Publikum immer wieder an, animierte zum Mitsingen und nutzte die gesamte Breite der Bühne - inklusive kleinem Steg im Innenraum, aus.

Den Auftakt an diesem Abend gaben Depeche Mode mit Songs aus dem im April erschienenden Album "Songs of the Universe". Mit "In Chains", der ersten Single-Auskopplung "Wrong" sowie "Whole to Feed" ging es gleich in die Vollen. Elektro-Rock in ordentlicher Lautstärke, die Menge sofort oben auf. Der seit Beginn der 90er Jahre von Depeche Mode beschrittene Weg in Richtung einer deutlichen Orientierung hin zu mehr Gitarre und weniger Synthesizer gelingt leider nicht immer. Die Live-Atmosphäre macht Songs oft besser als diese eigentlich sind - so auch hier. Der Beginn konnte noch nicht in vollem Umfang überzeugen.

Doch die ersten wirklichen Highlights sollten nicht lange auf sich warten lassen. Bei "It's no good" gab es wieder mehr deutlich intensivere Synthesizer. Gahans Stimme war sehr präsent und zeigte den ganzen Abend hinweg überhaupt keine Schwächen. Im Anschluss: "A Question Of Time". So präsent sollte der Sound der 80er Jahre an diesem Abend nicht mehr werden. Das Publikum stieg in den Chorus mit ein und der wieder genesene 47jährige Frontman wirbelte mit dem Mikrofonständer umher, stand kaum einmal still.

Beim neunten Song der Setlist trat Martin Gore erstmals richtig in Erscheinung. Während Fletcher und Gahan die Bühne verlassen hatten, intonierte er mit Gitarre und Pianobegleitung durch die Tourband.... "Freelove". Eigentlich von Dave Gahan auf dem Album "Exciter" (2001) gesungen, konnte Gore, der im Profil auf die große Bühnenleinwand projiziert wurde, in über fünf Minuten Länge die emotionalere Seite von Depeche Mode, als Sänger der ruhigen Töne, unter Beweis stellen.

Die Verschnaufpause für Gahan, dem man nach seiner Operation auf Grund eines Blasentumores keinerlei körperlichen Schwächen anmerkte, sollte noch einige Minuten währen. Gore Stimmte "Home" an. Immer wieder gab es Zwischenapplaus, das Publikum sang phasenweise mit. Die letzten Takte des Stückes dirigierte der Brite die Masse durch die Tonhöhen.

Mit "Enjoy the Silence" und "Never let me down again" wurde das große, furiose Finale eingeläutet. Endgültig sollten sich Depeche Mode erst gute 30 Minuten später von den Fans verabschieden. "Enjoy the Silence", einer der größten Hits der Band aus Basildon (bei London) und Pflichtprogramm bei jedem Auftritt, wurde in großen Teilen lauthals vom Publikum bestritten. Und Gahan stand mit weit ausgebreiteten Armen auf dem Bühnensteg und ließ die Menge singen. Top!

Nach einem Meer aus 24.000 umherschwenkenden Armen bei "Never let me down again", einem weiteren Höhepunkt aus den 80er Jahren - die hier leider etwas vernachlässigt wurden -verließen Depeche Mode unter dem Jubel der Fans die Bühne.

Der erste Song der Zugabe gehörte wieder Martin Gore. Erneut stand er nahezu alleine auf der Bühne, die Klavierbegleitung setzte ein und die ersten Takte von "Somebody" erklingen, dem ältesten Song des Oberhausener Sets (1984). Fast identisch wie 1988 auf dem Live-Album "101" konnte er dem Song Emotionen verleihen und bewies die Zeitlosigkeit vieler Songs von Depeche Mode. Immer wieder stimmte die Menge in den Song mit ein - einer der Höhepunkte des Abends.

Dave Gahan und Andy Fletcher betraten unter großem Applaus wieder die Bühne. "Stripped" stand auf dem Programm und wusste zu gefallen.

Die Setlist war alles andere als enttäuschend - jedoch durchaus verbesserungswürdig. Neben drei fantastischen Balladen von Martin Gore begeisterten Songs aus allen Schaffensperioden die Zuschauer. Der Hauptanteil lag bei "Sounds of the Universe" und dem Klassiker "Violater" von 1990. Insgesamt war der gesamte Abend mehr von Gitarren als Synthesizern geprägt. Depeche Mode haben sich deutlich in Richtung Rock orientiert. Natürlich kamen Keyboards zum Einsatz - der Sound der 80er Jahre fand leider nicht die von mir erhoffte Entfaltung.

"People are People", "Everything Counts" oder "Strangelove" blieben leider auf der Strecke - 2 Stunden sind einfach zu wenig, um alle Vorlieben und Wünsche zu erfüllen. Bei den Balladen viel "A Question of Lust" der Auswahl zum Opfer. Dafür gab es grandiose Darbietungen von "Freelove", "Somebody" und "Home".

Insgesamt ein gutes Konzert - keine Enttäuschung -, besonders die Stimmung war wirklich erwähnenswert hervorragend. Dennoch ziehen Depeche Mode im "direkten Duell" gegen die anderen 80er-Jahre-Helden von den Pet Shop Boys und a-ha (allesamt durfte ich 2009 live erleben) klar den Kürzeren.

In vier Monaten geht es zum verschobenen Stadion-Konzert in die Esprit-Arena in Düsseldorf. Vielleicht erwartet mich hier eine etwas veränderte Setlist, mehr aus den 80er Jahren. Auch die Auswahl von "Sounds of the Universe" könnte mit "Jezebel" und "Fragile Tension" gerne Zuwachs bekommen. Und selbst bei identischem Programm - Depeche Mode sind und bleiben gut!

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