Mittwoch, 7. Oktober 2009

Chris de Burgh ("Footsteps"-Tour, 18.05.09, Bochum)

Schon seit vielen Jahren ein Fan des in Argentinien geborenen Iren, ergab sich endlich die Möglichkeit eines Konzertbesuches. Seit Mitte der 90er Jahre Dank TV-Auftritten, Videoclips und Radio mit den Klassikern "The Lady in Red" und "Don't pay the ferryman" zum Anhänger geworden, bestand auch weiterhin stets Interesse an seiner Musik, auch wenn die große Chris de Burgh-Sammlung bislang noch immer nicht vorhanden ist. Erste Käufe waren die Alben "Live from Dublin" und "The Getaway". Neben Softrock, schönen Balladen und Melodien fiel schon damals die freundliche und nette Art des mittlerweile 60jährigen auf.
Doch spätestens nach dem Erwerb des aktuellen Albums "Footsteps" mit zahlreichen Coverversionen von karriereprägenen Songs für Chris de Burgh (von Dylan, Beatles, Toto, Don McLean, Pete Seeger und Anderen) stand es außer Frage - den Mann muss man live erleben!
"RuhrCongress"-Bochum, der für mich einzig in Frage kommende Veranstaltungsort. Obwohl völlig ahnungslos in Bezug auf Standort und Verkehrsanbindungen, fanden sich auch hier übers Internet entsprechende Informationen. Der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln stellte kein Problem dar. Trotz über zweieinhalb Stunden Spielzeit und einer ca. 20 minütigen Pause klappte es mit den S-Bahn-und Zugverbindungen auf dem Rückweg ohne lange Wartezeiten.
In der Nähe des Bochumer Fußballstadions gelegen und Veranstaltungsort für (unter anderem) Comedy- und Musikveranstaltungen namhafter Künstler, sammelten sich innerhalb der ca. 60 Minuten Wartezeit vor Einlass zusehends mehr Leute auf dem Vorplatz.
Die wohl überall zu findenden 2-3 Ticketverkäufer und der ein oder andere mit "Suche Tickets" - Schild Bewaffnete waren auch hier zugegen. Vor der Halle machte ein Bierwagen erste Umsätze, im Foyer gab es mit Würstchen, Brezeln und Getränken die üblichen Angebote. Der obligatorische Merchandisingstand muss kaum noch erwähnt werden, fand bei mir aber wie so oft wenig Anklang.
Auffällig war bei angenehmen Temperaturen in der zweckentfremdeten, als Veranstaltungsort etwas im Stile eines Vorlesungssaales wirkenden Halle (eigentlich für Kongresse gedacht) nicht nur meine weiße Hose - denn nahezu jeder Besucher war zwischen 45 und 70 Jahren alt, ältere Damen mit Gehwagen inbegriffen. Hier und da auch vereinzelt jüngere Besucher, jedoch klar in der absoluten Minderheit.
Mein Sitzplatz (Preiskategorie 2) in der vielleicht 3000 Zuschauer fassenden Halle bot in ca. 20 Meter Entfernung links von der Bühne eine gute Sicht auf den Hauptakteur und seine Band. Eine Videoleinwand gab es nicht, bei der doch guten Übersichtlichkeit des Veranstaltungsortes aber auch kein Hindernis.
Die Erwartungen an Songauswahl, Live-Qualitäten und an den Künstler Chris de Burgh selbst waren sehr hoch - und wurden dennoch erfüllt.
Auf eine Vorband wurde verzichtet (und von niemandem vermisst), die Stimmung und Begeisterung unter den Fans war vom ersten Moment an voll da. Um es vorweg zunehmen: De Burgh brachte bei seinem 150 Minuten Auftritt eine nahezu makelose Setlist auf die Bühne - und das, obwohl "Where have all the flowers gone?" und "Spanish Train" an diesem Tag keine Berücksichtigung fanden.
Aber der Reihe nach. Den Auftakt machte "Last Night" mit dominanten Keyboard-Klängen und Gitarren, der Einstieg gelingt tadellos.
Neben vielen guten Songs aus den 80er, 90er und 00er Jahren setzten besonders die beliebten Klassiker deutliche Akzente. Chris de Burgh zeigte stimmlich keine Schwächen und konnte sogar bei dem durch Mariah Carey vor 15 Jahren einer etwas jüngeren Generation bekannt gemachten Song "Without You" (Original: Gruppe"Badfinger" von 1970) die erforderliche Stimmgewalt aufbringen. Respekt.
Nach guten 45-60 Minuten kamen dann die eigentlich schon früher erwarteten Damen mit Blumen, Bildern und der ein oder anderen Umarmung für Chris de Burgh an den Bühnenrand. Der Sänger lies die Leute an sich heran, nahm die Geschenke dankend entgegen. Sympathisch.
Bei "Borderline", mit der wohl stets aktuellen Textzeile "I will never know how men can see the wisdom in a war" (der an dieser Stelle obligatorische Applaus wirkte etwas aufgesetzt) begleitete de Burgh sich selbst am Klavier und verlieh dem Song die gebührenden Emotionen. Überhaupt wirkte bei dem Iren das ganze Set nicht bloß wie ein lästiges Pflichtprogramm. Spaß und Freude an der Musik und seinen Fans waren ihm anzumerken.
"The Lady in Red" - natürlich auch hier unverzichtbar und frenetisch gefeiert. Aber großen Applaus und Zuspruch aus dem Publikum gab es ohnehin bei jedem Song.
De Burgh verließ bei der Performance nach kurzer Zeit die Bühne und begab sich zur Freude der Fans auf einen kleinen Rundgang durch das spätestens jetzt komplett stehende Publikum.
Er schüttelte Hände, ließ sich kurz auf dem Schoß einer Dame nieder und zeigte das Bild vom publikumsnahen Popstar. Nicht künstlich, distanziert oder "weil man das so macht" - dem Iren nimmt man die Zuneigung und das Interesse an seinen Fans glaubhaft und ehrlich ab.
Gegen Ende des Konzertes spielte De Burgh mit "High on Emotion" und "Don't pay the ferryman" zwei weitere unverzichtbare Klassiker seiner Karriere. Die Fans stimmten in den Chorus mit ein, die Stimmung blieb bis zum Schluss gut.
Fazit
Eine beeindruckende Anzahl guter Songs, mal rockig, mal gefühlvolle Balladen. Zeitlos und kaum der Entstehungsepoche zuzuordnen, geschweige denn einem exakten Jahr. Ein Verzicht auf musikalische Experimente und Arrangements - und trotzdem nie altbacken oder langweilig. Eine gute Akustik wurde durch perfekten Live-Gesang und die hervorragende Begleitband noch begünstigt. Top - und mehr als nur lohnenswert, auch für Leute, die vielleicht nur 2-3 Titel des Iren kennen.

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