Die Pet Shop Boys, seit vielen Jahren musikalischer Wegbegleiter in allen Lebenslagen und meine Lieblingsband der ersten Stunde, kündigten sich für ein Deutschlandkonzert im Kölner Palladium an. Der Preis von knapp 55 Euro und die etwas umständliche Anfahrt verkamen hier zur völligen Nebensache. Auch das unvermeidbare Stehplatzticket konnte nicht abschrecken. Und da man schon mal in Köln war, wurde auch gleich ein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt eingeplant.
Als Besitzer einer recht umfangreichen Sammlung an CDs und DVDs des britischen Elektropop-Duos saß die Messlatte in Bezug auf die Songauswahl sehr hoch - die Ansprüche an die Bühnenshow dagegen eher minimalistisch. Das bei einer Vielzahl von überragenden Tracks aus den vergangenen knapp 25 Jahren Bandgeschichte der Pet Shop Boys mehr als nur eine handvoll Lieblingslieder auf der Strecke bleiben würden stand außer Frage. Die aus TV- und Konzertaufzeichnungen bekannten Auftritte ließen Backgroundsänger, Outfitwechsel und teils amüsante Bühnenkostüme erwarten. Und genauso sollte es kommen...
90 Minuten vor Einlass gab es am Palladium bereits eine ordentliche Schlange von Fans. Die warmen Temperaturen machten das Warten nicht gerade angenehmer. Während sich die einen Fans über Digitalkameras und deren Verbot bei Konzerten unterhielten, fotografierten andere wiederum ein in sichtweite angebrachtes Tourposter oder tauschten bisherige Konzerterfahrungen aus. Immer wieder interessant, die verschiedensten Eindrücke, Geschichten und Ansichten von Fans und Konzertbesuchern mitzubekommen.
Und das Palladium? In einem Mediengebiet von Köln gelegen (unter anderem Sitz von "Brainpool"), hat die Halle eine Art Galerie/Empore für eine eher geringe Anzahl an Besuchern sowie den in einigen Bereichen durch Säulen sichtbehinderten Innenraum. Da das Palladium über die gesamte Fläche hinweg ebenerdig ist, haben hintere Reihen im Hinblick auf die Bühnenansicht kleine Probleme - zumal nicht auf Videoleinwände zurückgegriffen werden konnte. Sich einen Platz im vorderen Drittel der ca. 4.000 Zuschauer zu sichern, stellte jedoch kein Problem dar.
Die Vorgruppe "Das gezeichnete Ich", mir völlig unbekannt, spielte ihr 20-Minuten-Set mit einer Reihe von zufriedenstellenden Songs durch, ohne sich irgendwie nennenswert hervorzutun. Solide.
Zwischenzeitlich ergab sich auch die Möglichkeit einen Blick auf den sehr bescheidenen Merchandising-Stand zu werden - das Ergebnis war ernüchternd. Die begrenzte Auswahl wartete mit relativ uninteressantem Fanmaterial auf.
Anschließend vergingen noch gute 30 Minuten, bis die Pet Shop Boys mit ihrem Elektro-Sound die Bühne betreten sollten und mehr als eindrucksvoll demonstrierten, dass die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Pop in den Händen der beiden Briten liegt.
Zu den Klängen des 1988er Nr. 1 Hits "Heart" erschienen Sänger Neil Tennant, Keyboarder Chris Lowe und insgesamt 4 Backgroundsänger/Tänzer(innen) auf der Bühne. Die Show stand ganz im Zeichen von.... Würfeln. Ob als fast undurchsichtige Kopfbedeckung der Protagonisten zu Beginn des Konzertes oder als Dekoration aufgebaute Mauer im Hintergrund, auf welche immer wieder verschiedene Bilder und Farben projiziert wurden. Der rechte Bühnenrand gehörte der "Technikzentrale" vom stets mit Sonnebrille agierenden Chris Lowe.
Die Setlist der Pet Shop Boys, die dem durchweg gut aufgelegten Publikum einen perfekten Sound boten, umfasste neben den erwarteten und viel bejubelten "Go West", "West End Girls", "Suburbia" oder "Always on my mind" selbstverständlich auch eine Reihe von Songs des aktuellen Albums "Yes". Und zu keiner Zeit wirkte die neue Musik wie ein Fremdkörper im Set der anderen Nummern. Doch es gab auch einige unerwartete Songs zu bestaunen...
Einer davon war "Do I have to?". Das Intro spielte Chris Lowe zunächst alleine auf der Bühne, dann trat Neil Tennant wieder ins Scheinwerferlicht. Der selten performte Song, eigentlich eine "B-Seite" aus den 80er Jahren, gehört zu vielen "versteckten Songperlen" der Briten. Die Ballade zeigt deutlich, dass die Pet Shop Boys selbst mit vermeintlicher "B-Ware" den Pop der Gegenwart völlig problemlos in den Schatten stellen können.
"It's a sin" bot die beeindruckenste Show. Schon zu Beginn flackerte das Stroboskop-Licht emsig auf - gegen Ende des Songs bot sich den Zuschauern eine wahre Blitz-Explosion. Tennant & Lowe spielten auch hier nicht eine originalgetreue Kopie des Welthits vom Album "Actually". An den richtigen Stellen wurde der Beat etwas verstärkt oder ein Instrumental-Part in die Länge gezogen und erntete den verdienten Jubel des Publikums.
Musikalisch gab es den typischen Sound der Pet Shop Boys, welche glücklicher Weise darauf verzichteten, ihre teilweise über 20 Jahre alten Songs in einen beat-überfrachteten Klangbrei mit neumodischen Anleihen zu verwandeln. Stattdessen konnten sie genau die positiven Emotionen ihrer zeitlosen Klassiker mühelos hervorholen. Und auch die Songs der 90er sowie der letzten Veröffentlichung "Yes" fügten sich prima in das Gesamtkonzept der Auftritts ein.
Die Zuschauer bekamen jedoch nicht nur Single-Hits zu hören. Der gekonnte Mix aus den Album-Tracks "Two devided by zero" und "Why don't we live together" vom Debüt-Album "Please" im perfekten 80er-Jahre Popsound mit über sieben Minuten Spielzeit gefiel besonders.
Eine der größten Überraschungen des Abends war mit Sicherheit das völlig unerwartete Coldplay-Cover "Viva La Vida". Zunächst die ersten Takten eines Remixes von "Domino Dancing", dann betrat Neil Tennant mit Umhang und goldener Krone die Bühne. Kurze Irritationen, als das Stück einsetzte - doch auch hier kam augenblicklich Begeisterung auf. Im typischen Soundgewand der Pet Shop Boys eingebettet, machten diese sich den Song sofort zu Eigen. Kein Gedanke daran, dass Coldplay hier eigentlich eine der größten Stadionhymnen des auslaufenden Jahrzehntes veröffentlich haben.
Während zahlreiche großartige Songs aus dem bisherigen Lebenswerk der Briten gezwungener Maßen auf der Strecke blieben - allen voran "Rent" - gab es mit "King's Cross" einen versöhnlichen Ausgleich. "Being Boring" und "West End Girls" als zwei von drei Zugaben schlossen das Konzert nach rund 100 Minuten Spielzeit mit zwei weiteren Highlights ab.
Das Fazit lässt kaum einen anderen Schluss zu - die Pet Shop Boys sind auch nach über 25 Jahren im Geschäft und trotz fortgeschrittenen Alters die Zukunft des Elektro-Pop.
Die nahezu unerreichbar genialen Songs der Vergangenheit paaren sich mit exzellentem Material der Neuzeit.
Was macht die Konkurrenz? Während Depeche Mode sich zu oft im Gitarrensound verlieren, scheinbar die wirklich guten Ergebnisse ihrer Arbeit auf mehrere Alben verteilen und der Synthesizer einfach ein bisschen zu oft ins Leere läuft, konnte man Gruppen wie "Erasure" nur phasenweise als wirkliche Konkurrenz bezeichnen. Hier folgte nach 1-2 guten Nummern kurzerhand wieder der fast bodenlose Abstieg. Und obwohl sich durchaus immer wieder gute Popsongs von neuen und alteingesessenen Acts und Künstlern ihren Weg an das Licht der Öffentlichkeit bahnen - die Perfektion des Pop kommt von den Pet Shop Boys.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen