Mit drei Freunden nach der Schule zur Vorverkaufsstelle, einem Zeitschriften und Lottoladen in der Innenstadt, 40 DM bezahlt... und ich hielt die allererste Konzertkarte meines Lebens in Händen. Das war 1998. Und der Anlass? Die Comeback-Tournee der erfolgreichsten deutschen Gruppe aller Zeiten - Modern Talking. Dieter Bohlen und Thomas Anders füllten nach gut zehn Jahren Pause wieder die Hallen der Republik und feierten weltweite Erfolge.
Schon seit Jahren immer wieder gerne Lieder von Blue System auf CD, bei TV-Shows und vereinzelt auch Modern Talking-Stücke auf MC-Samplern meiner Mutter hörend, wurde dieses Ereignis natürlich freudig aufgenommen. Am Tag der Veranstaltung lediglich Besitzer des Best of "Back for Good", sollten anschließend innerhalb kürzester Zeit die damals fehlenden sechs Tonträger hinzu kommen.
Zur Arena in Oberhausen mit dem "Mama-Mobil" gebracht worden, verbrachten wir geschlagene 2,5 Stunden in einem Menschenknubbel vor dem Eingang. Was ich mir heute eher widerwillig antun würde, stand zu damaliger Zeit nie zur Diskussion.
Der gute Sitzplatz in einem Seitenblock nahe der Bühne wurde kaum in Anspruch genommen.
Den Großteil des Konzertes verbrachte man - wie fast alle Zuschauer - stehend.
Und wer dachte, dass sich hier nur der harte Kern und Fans der 80er Jahre einfinden würden, sollte sich täuschen.
Unter den mehr als 12.000 Zuschauern waren auch tausende von Jugendlichen, die sich in der Halle einfanden - Modern Talking hatten den Generationenwechsel also problemlos geschafft. Kreischende Fans, selbstgebastelte Plakate und Herzen ("Dieter - be my Geronimo") machten das "Boygroup"-Feeling perfekt. Irgendwie etwas befremdend.
Nach anfänglichem Fachsimpeln über die Setlist und ob es gleich mit den großen Hits losgeht oder diese für den Zugabenteil aufgespart werden, war es nach einiger Wartezeit in der Halle endlich soweit: Der große Vorhang viel herab - Bohlen und Anders betrachten zum wuchtigen Sound von "You're my heart, you're my soul" unter Begeisterungsstürmen der Fans die Bühne.
Nach einer Begrüßung folgten ein paar weitere Songs, bevor Thomas Anders die Bühne verließ und Bohlen mit "Laila" und "Magic Symphony" einige Blue System-Songs mit wummernden Beat im Euro-Disco-Stil zum Besten gab. Auch Anders brillierte anschließend mit seiner Interpretation von Barry Manilows "Mandy" am Klavier. Die Halle tobte bei jedem Stück.
Nach geschätzten dreißig Minuten waren die Beiden dann wieder auf der Bühne vereint und der Hit-Reigen setzte sich fort....
Gespielt wurde, was Modern Talking bekannt, berühmt und verhasst gemacht hat. Bis auf ein bis zwei Songs, unter anderem "Heaven will know", kannten wir jedes der Stücke. Textsicherheit sah natürlich anders aus, machte aber nix. Man war schließlich erst relativ kurze Zeit Fan.
Beifallstürme kamen auf, als Dieter Bohlen das Publikum mit "Wollt ihr die Hits? Wollt ihr die Nr. 1 Hits?" anstachelte. Nacheinander folgten mit "Cheri Cheri Lady", "Brother Louie", "Atlantis is Calling" und "You can win if you want" vier von fünf deutschen Chart-Toppern des Duos.
Der Sound war während es gesamten Auftritts ohne jeden Makel. Keine dumpfen Rhythmen, die jeden Klang im Keim ersticken oder aus den Beat betonenden Sounds eine Einheitsbrühe werden ließen. Druckvoll, nicht zu laut und stets ideal gemischt.
Während des Konzertes gab sich das Duo alles andere als distanziert. Ständiger Kontakt zu den Fans in Form von Anmoderationen der Songs oder kleinen Ansprachen waren selbstverständlich. Außerdem gab es für die Anhänger auch ausreichend Möglichkeiten für Fotos.
Neben Anders und Bohlen fanden sich noch einige Musiker und Backgroundsänger/innen auf der Bühne wieder - unter anderem Bohlens damalige Lebensgefährtin "Naddel".
In sehr guter Erinnerung blieb auch die ca. 30 Minuten lange Zugabe, zu welcher Modern Talking nach dem umjubelten Auftritt erneut den Weg auf die Bühne fanden. Ein ausführliches Hit-Medley stand hier im Mittelpunkt, einige weitere Songs folgten.
Insgesamt eine rundum gelungene Veranstaltung, reich an Höhepunkten mit einer grandiosen Stimmung und exzellenten Sound, die viel Spaß gemacht hat.
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