Mit Eintrittspreisen von bis zu 81 Euro sind Coldplay preislich im gehobenen Mittelfeld anzusiedeln - eine Investition, die sich in jeder Hinsicht lohnen sollte.
Zu der an diesem Tag arbeitenden Bevölkerung gehörend und dementsprechend relativ spät am Stadion eintreffend, gab es zwar "The Killians" im Vorprogramm nicht mehr zu sehen, jedoch die letzten 20 Minuten der australischen Rockgruppe "Howling Bells", die mit einer grundsoliden Performance auf Coldplay einstimmten. Geschätze 30 Minuten nach den letzten Klängen der Vorgruppe, gegen 21 Uhr - stieg die Anspannung und Vorfreude auf die Hauptattraktion des Abends. Zuvor wurde natürlich (wie immer) die Auswahl an vermeintlichen "Fan-Must-Haves" am Merchandising-Stand begutachtet, an dem es diverse T-Shirts, Kappen oder auch Schlüsselanhänger zu den marktüblichen Konditionen gab. Obwohl die Versuchung deutlich größer war als bei U2, blieb auch hier meinerseits ein Kauf aus. Aber zumindest für eine Käsestange und einen Becher Wasser für je 3,50 Euro konnte ich mich erwärmen.
Doch zunächst ein Highlight der etwas anderen Art: Ein vermeintlicher Bühnenarbeiter fegte letzte Schnipsel und Kleinkram von der Bühne, das Scheinwerferlicht erfasste ihn - was im ersten Moment völlig uninteressant wirkte und als normale Lichtprobe durchgegangen wäre, entpuppte sich als äußert amüsante Showeinlage... Plötzlich warf der Mann den Besen in die Ecke, lief einen Bühensteg entlang und brachte mit Hip-Hop-Moves und Break-Dance zu entsprechender Musik vom Band die verblüffte Menge in Stimmung. Das ganze Spektakel dauerte geschätze 5 Minuten. Genauso plötzlich wie er im Rampenlicht stand, griff er sich nach seiner Performance wieder den Besen und kehrte weiter - als sei nichts gewesen. Ob nun einstudiert oder wirklich spontan - eine klasse Aktion.
42.000 Fans begeisterte Fans im Alter zwischen 16 und 46 Jahren ließen Coldplay nach einem ca. 110 minütigen Konzert in der Düsseldorfer Esprit-Arena zurück. Ein Konzert ohne wirkliche Schwächen, dafür mit umso mehr Höhepunkten. Obwohl fast perfekt, wirkte es zu keinem Zeitpunkt wie eine einstudierte Show - vielmehr wie vier Musiker, die einfach eine Menge Spaß an ihren Songs haben und diesen auch hervorragend vermitteln können.
Eine große Bühne mit zwei Stegen ins Publikum und eine rundum schöne Show konnten - erwartungsgemäß - nicht mit den Dimensionen von U2 mithalten, waren dem zuvor bestaunten Auftritt der Iren in Gelsenkirchen jedoch ebenbürtig.
Coldplay hielten bei den Songs und Übergängen stets Kontakt zum Publikum. Durch ein paar Brocken deutsch ("Guten Abend meine lieben Freunde"), die regelmäßige Nutzung der Stege in Richtung Fans und das sympathische Auftreten von Sänger Chris Martin trugen entscheidend dazu bei.
Der Frontman sorgte zusammen mit seinen Kollegen auch durch ein Michael Jackson-Tribute ("Billie Jean") in der Unplugged-Version auf einer kleinen Bühne im hinteren Bereich des Innenraums für Begeisterungsstürme. Der Hin- und Rückweg führte Coldplay unterhalb der Seitentribüne auf einem abgesperrten Teilstück nahe den Zuschauern vorbei, die diese unverhoffte Annäherung auch dementsprechend freudig aufnahmen. Freundliches Winken, Fotos und leuchtende Augen inklusive. "Billie Jean" wurde geschmackvoll und gut intoniert - ein absolut angemessener Beitrag zum Tod des "King of Pop" und ein Highlight des Abends.
Als Fan der Gruppe hat man an der gewählten Setlist natürlich den ein oder anderen kleinen
Makel ausgemacht. Während "Speed of Sound" unverständlicher Weise völlig fehlte, gab es von "Talk" leider nur eine etwas verhunzte Beat-Version im an Großraum-Discos angelehnten Stil zu hören. Unschön, für ein Highlight im Songskatalog von Coldplay allemal.
Ein oder zwei Songs der grandiosen EP "Prospekt's March" wären ebenfalls eine Bereicherung gewesen - "Glass of Water" oder der Titeltrack hätten die ansonsten gute Setlist hervorragend ergänzt. Der Stimmung tat dies trotzdem keinen Abbruch.
Mit Songs wie "The Hardest Part" (in einer sehr gefühlvollen, ruhigen Klavier-Version), "Fix You", den überragenden "Clocks" und natürlich "Viva La Vida" setzten Coldplay deutliche Ausrufezeichen und brachten das Stadion zum Kochen.
Die Stimmung unter den Fans schwankte zwischen Begeisterung und Euphorie. Der absolute Höhepunkt wurde erwartungsgemäß die Coldplay-Hymne schlechthin, "Viva La Vida". Aber auch die zuvor genannten Songs wurden vom Publikum frenetisch gefeiert.
Immer wieder tönten die Gesänge des Refrains durch das Stadion, schon lange nachdem der Song zu Ende war.
Coldplay überzeugten nicht nur mit Spielfreude, Sympathie und souveränen Klang von Stimme und Instrumenten - auch die Bühnenshow fand großen Anklang. Während bei "Yellow" plötzlich zahlreiche große Luftballons im Innenraum auftauchten - natürlich gelb - erstrahlte die Bühne bei "Clocks" in rotem Licht. Die großen Videoleinwände seitlich der Bühne sowie als Hintergrund ließen Chris Martin & Co. auch für hintere Reihen sichtbar werden. Bei "Lovers in Japan" gab es schließlich noch einen Konfetti-Regen. Aber auch hier hoben sich Coldplay vom Durchschnitt ab - es regnete Papierschmetterlinge....
Als Abschiedsgeschenk gab es noch eine kostenlose Ausgabe der vor einigen Monaten aufgenommenen Live-CD "LeftRightLeftRight", auf der Coldplay ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellen. Und auch wer hier im großen Gedränge beim Verlassen des Stadions leer ausging, konnte sich auf der Bandhomepage die neunTracks herunterladen. Eine nette Geste der vielleicht besten Rockband dieses Jahrzehntes. Coldplay - I'll be back!
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