Sonntag, 13. September 2009

The Australian Pink Floyd Show ("The Wall"-Tour, 13.02.09)

Das potentielle Fassungsvermögen von mehr als 12.000 Zuschauern wurde an diesem Abend in der König-Pilsener-Arena bei weitem nicht ausgeschöpft. Der vorgezogene Bühnenaufbau nahm ein Viertel des Zuschauerbereiches ein, der Innenraum war bestuhlt. Zu meinem entsetzen fand man in dem so ohnehin schon verkleinertem Zuschauerraum immer wieder deutlich sichtbar freie Plätze. Eine Tatsache, die dieser fantastischen Formation aus Australien nicht gerecht wird. Mit Preisen von maximal gut 50 Euro und einem Zielpublikum jenseits der 40 Jahre wurde zudem eine breite Fangemeinde angesprochen. Leider fand diese nicht so zahlreich den Weg nach Oberhausen. Unverständlich.

Wer Pink Floyd niemals live erleben durfte (mich eingeschlossen), der kennt zumindest zahlreiche Auftritte von diversen Konzertmitschnitten (TV, DVD) oder Live-Alben. Entsprechend hoch waren somit die Erwartungen an die australische Formation - aber auch realistisch. Die faszinierende Lightshow von Pink Floyd ist in diesem Ausmaß nicht kopierbar. Gründe sind neben fehlenden technischen Voraussetzungen sowie Platzmangel auch ganz klar im finanziellen Bereich zu finden. Dementsprechend gab es eine deutlich abgespeckte "Light-Version", die mit leichtem Nebel, grünem Laser und farbigem Licht aber trotzdem für Gefallen sorgte und nicht als billige Disco-Funzelei unterging.

Hinter den Hauptprotagonisten sorgten Zeichentrickausschnitte aus "The Wall" für die optische Umsetzung der vorgetragenen Songs auf einer Großleinwand. Backgroundsängerinnen sowie Sänger Ian Cattell sorgten hier und da für ein wenig Abwechslung, ansonsten galt dasselbe wie für die großen Originale: Zelebrieren des perfekten Sounds mit bombastischen Arrangements und filigraner Instrumentalisierung - ohne große Gesten.

Ein besonderes Highlight bot dann im Zugabenteil (unter anderem "Shine on you crazy Diamond") ein riesiges, aufblasbares Schwein mit glühend roten Augen. Nicht im ersten Moment zu bemerken, dann aber doch von den Leuten fasziniert aufgenommen.

Die erneut hervorragende Akustik in der König-Pilsener-Arena machte die Songs der Australian Pink Floyd Show zu einem Hörvergnügen. Keine verzerrten Geräusche, Quietschen oder übertrieben eingestellte Regler. Der "Lärmpegel" war genau richtig gewählt und hätte auch mit höherer Lautstärke noch immer überzeugt.

Die Musiker der Australian Pink Floyd Show waren schon von Beginn an in der Lage mit grandiosem Gesang und Instrumentalisierung dem vorgegebenen Konzept der großen Originale nachzueifern. Jedes Lied wirkte authentisch und so gar nicht wie die Musik einer COverband ohne eigenes Material. Ob die erstmalig einsetzende Gänsehaut beim langen Intro zu "Another Brick in the Wall, Part 2" sowie dem Chor-Refrain, die Vorfreude auf das Weltklasse-Gitarrensolo zum Ende von "Comfortably Numb" oder einfach nur das absolut stimmige Gesamtkunstwerk und die perfekte Transportierung des "Pink Floyd-Gefühls". Bombastische Klänge, druck- und gefühlvoll interpretiert und dabei stets ganz dicht am Original.

Die Stimmung war dagegen zunächst eher reserviert. Applaus bei jedem Song, ein reihenübergreifendes Kopfnicken bei den Bassklängen zu "Another Brick in the Wall" - die wirkliche Atmosphäre wurde nur durch das Können der Musiker auf der Bühne erzeugt, die Zuschauer taten dafür eher weniger. Erst mit der Zeit wurde es etwas lockerer - bis hin zu großem Applaus und Begeisterung bei "Comfortably Numb" oder "Wish you were here". Natürlich ist die Musik von Pink Floyd nicht zum Mitklatschen oder für einen Publikums-Chor geeignet. Somit war die fehlende Ausgelassenheit der Anhänger auch ohne weiteres zu verschmerzen. Gegen Ende der Show standen die Zuschauer dann doch das ein oder andere Mal, vereinzelt reckten Hände nach oben.

Nach 150 Minuten Spielzeit verließen die Australier nach "Wish you were here" die Bühne und wurden frenetisch gefeiert. Und das völlig zu Recht. The Australian Pink Floyd Show hätte mit dieser Formation das Potential zu einer Weltkarriere - wenn Pink Floyd nicht schon da gewesen wären. Weder an Stimmvolumen, Ausdrucksstärke oder spielerischem Können mangelt es der Gruppe. Hier könnte mit eigenen Songs ein Album der allerersten Klasse entstehen. Inwieweit Motivation, Umfeld und Songwriter-Qualitäten dies erlauben, steht auf einem anderen Blatt.

Überzeugendes Konzert, was einen zumindest für zweieinhalb Stunden vergessen ließ, dass die Legende Pink Floyd nie mehr live zu bewundern sein wird. An die Namen der Mitglieder, geschweige denn die Gesichter der Cover-Band wird sich wohl niemand mehr erinnern - an die Show dafür umso mehr. Weltklasse!

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